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An den Ufern… Besuch…

Sonntags gibt’s Frühstück erst ab halb acht, nehm’s trotzdem nach der gestrigen Erfahrung. Fahr um halb neun ab. Der Monsieur vom Hotel kommt extra raus und schüttelt mir die Hand, sie sind wirklich sehr freundlich. Zum ersten Mal fahr ich heut direkt mit kurzen Hosen los, es ist bereits jetzt 22 Grad! Möchte heute bis Cosne-Cours-sur-Loire fahren, nur ca. 35km… ich hab’s ja schon sehr luxuriös, dass ich mit 30-40 km Etappen durch Frankreich fahren kann, fast könnte mann sagen schlendern, so viel Zeit zu haben! Ist ja schon fast keine richtige Velotour mehr, aber ich geniesse das sehr.

Beat kommt heute mit dem Auto, mal sehen wie das so wird. Bis jetzt war ich anderthalb Wochen allein unterwegs, was sehr schön war, aber ich freu mich jetzt mit Beat plaudern zu können, mehr als nur Kurzgespräche über’s Wetter oder über meine Tour. Hab ihm gestern geschrieben ich sei am Sonntagabend in Cosne-Cours.

Los geht’s heute entlang der Loire… ich schreib jetzt nicht mehr, dass es Morgens einfach wunderschön ist ;-). Auf dem Damm… bleib ich schon bald wiedermal hängen an den Blumen, noch feucht vom Tau. Etwas erhöht auf dem Damm sieht mann gut die Weite der Felder. Lange Bewässerungsmaschinen rollen langsam ferngesteuert über die Maisfelder, das Wasser pumpen sie aus der Loire. Pouilly-sur-Loire, eigentlich mein gestriges Ziel ;-), lass ich auf der anderen Seite des Flusses rechts liegen. Zwei, drei Abstecher an die Loire und an deren Seitenäste, einmal setz ich mich fast eine Stunde unter die Bäume, bade meine Füsse, das Wasser ist erstaunlicherweise sehr warm… lese ein wenig und schaue den Fischen und Libellen zu. Muss unbedingt mal fragen wieso kaum gebadet wird in diesem Fluss.

Dann taucht in der Ferne Sancerre auf, ein Schloss und ein Weinbauerndorf auf einem Hügel, eigentlich wollt ich einen Abstecher dort rauf machen. Aber je näher ich dem Hügel komme desto höher wird er. Es ist bereits 28 Grad und erst halb elf… hmmm soll ich?… entschliesse mich dagegen, muss ich nicht haben. Dafür trinke ich einen Café au Lait an der Brücke, bei St-Satur, unterhalb von Sancerre in einem schönen Gartenrestaurant direkt an der Loire. Die Tische sind bereits gedeckt, aber um diese Zeit krieg ich noch einen Kaffee. Am Nebentisch sitzt ein Paar. Die Velos hatte ich schon vor dem Restaurant stehen sehen. Er fragt mich, ob ich eine Karte von Orléans nach Paris habe… auf Französisch… höre gleich, dass er Schweizer ist… wir kommen in’s Gespräch… sie fahren in 10 Tagen von Basel nach Paris, im Schnitt 80/90 km im Tag… da hab ich’s doch gut!!! Wir tauschen unsere Erfahrungen aus, dann machen sie sich wieder auf die Räder, wollen heute noch bis Briare fahren und vor der grossen Hitze dort sein, dabei ist’s jetzt schon 29 Grad!!

Ich fahr dann auch mal weiter, für mich sind’s nur noch 9 km :-)…. der Schweiss läuft mir wirklich nur so runter am Körper, da hilft auch der Fahrtwind nicht viel, trotz dieser Hitze ist meine Stimmung heute immer noch sehr gut (10 – 11), es ist einfach zu schön!

Der Weg führt nochmals kurz am Kanal entlang, wunderbar im Schatten der Bäume… eine halbe Stunde später rolle ich in Cosne-Cours ein. Schiebe mein Velo mit Gepäck durch das Gedränge des sonntäglichen Marktes zum Office de Tourisme. Hab grad Glück, hat noch geöffnet. Die, wie immer, freundliche junge Frau berät mich bei der Hotelsuche, viel Auswahl hab ich nicht. Im Hotel de la Gare hat’s noch Zimmer… allerdings mit mit einem Doublelit, aber was soll’s wird schon gehen mit Beat… schliesslich sind wir beide bescheiden ;-).

Fahr also zum Gare, ein echter Provinzbahnhof und gegenüber ein echtes Hotel de la Gare, mit Tabac und Zeitungen. Die Dame des Hauses erwartet mich bereits, weist mich ein, mein Velo kann ich in den Esssaal stellen, wird heute eh nicht mehr gebraucht, da sie um 13.00 Uhr schliessen, gibt mir Zimmerschlüssel und Code, damit ich ins Hotel komme und den Code für’s wifi = Code Postale de Cosne-Cours 🙂 …
Ich stell schnell meine Sachen ins Zimmer und geh nochmals runter um eine eiskalte Cola mit Eis zu trinken solang sie noch offen haben.

Dann duschen… so geil… das tut gut… das Zimmer: na ja, wie’s halt so ist in einem Bahnhofshotel, das sicher die letzten 20 Jahre nicht mehr renoviert worden ist.

Beat ist um 9 Uhr in Zürich abgefahren und bewegt sich durch den Jura über Pontarlier Richtung Frankreich… buahh noch ein weiter Weg bei dieser Hitze… lieber er als ich… da lob ich mir doch das Kurzetappenfahren mit dem Velo.

Wasche Wäsche, dann verkriech ich mich bis fünf im Zimmer… es ist wirklich zu heiss um sich zu bewegen, vorhin war’s 34 Grad!!! Dös ein wenig, schreib an meinem Tagebuch und lade die Fotos hoch… das braucht auch Zeit, funktioniert aber inzwischen tipp topp.

Nach fünf geh ich raus, immer noch brütende Hitze über dem Städtchen… gehe, soweit wie möglich, dem Schatten nach in’s Zentrum. Ist wie ausgestorben… wegen Hitze und Sonntag… das Museum de la Loire ist geöffnet, gratis heute und vor allem schön kühl… viele Modelle von Schleusen, Brücken und Schiffen und unendlich viele Fotos, das ganze Leben richtete sich früher nach dem Fluss… sehr eindrücklich!!!!

Um sechs meldet sich Beat, ist bei Nevers, also noch ungefähr eine Stunde… finde eine geöffnete Bar und Tabac, so ziemlich die einzige, die offen hat. Vis-a-vis noch eine Pizzeria, da werden wir wohl essen…

Was wohl bestelle ich mir bei dieser Hitze?

Schliesslich um 7 kommt Beat, lotse ihn zur Bar… wir begrüssen uns freudig, hab wirklich Freude, dann trinken wir mal erst, na was wohl?, auf die Ankunft… 10 Stunden hat er gebraucht… ist ein weiter Weg, allerdings ist er wenig Autobahn gefahren, aber mit Autobahn hätte er vielleicht zwei, drei Stunden weniger gebraucht.

Gehe mit Beat in’s Hotel damit er duschen kann… dann fahren wir mit dem Auto!! wieder in’s Zentrum… es gibt wirklich nur die Pizzeria. Beat ist ein wenig erstaunt, dass alles geschlossen ist. Aber so ist das mitten in Zentralfrankreich an einem Sonntagabend in irgendeinem kleinen Städtchen…

Beat isst eine Pizza, entgegen meiner Empfehlung, hier in Frankreich machen sie einfach andere Pizzen, oft auf einer Basis von Crême Fraiche anstatt Tomatensauce… ist Geschmackssache… ich wiedermal einen Salatteller mit Frites… sind einfach gut…. es ist schön wiedermal mit jemandem einen ganzen Abend “normal” reden zu können!

Dann ab ins Bett… ich möchte morgen bis Gien fahren, eine Etappe von ca. 60 km. Bei dieser Hitze natürlich früh um sieben losfahren. Frühstück gibt’s hier schon ab halb sieben.

Fotomanie…

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