Überspringen zu Hauptinhalt

La Charité-sur-Loire…

Samstagmorgen, hab mir den Wecker gestellt, ja! trotz Ferien… spielt für mich nicht so eine Rolle… möchte wieder früh losfahre, heute bis Pouilly-sur-Loire, ca. 60km. Also sechs Uhr aufstehn, Blick aus dem immer noch weit geöffneten Fenster… Himmel etwas verhangen aber mit Morgenröte… gemäss Voraussage soll’s heute schön werden und wieder 30 Grad. Schlussendlich wird’s doch viertel nach Sieben bis ich abfahre. Madame wollte mich noch zu einem Petit Déjeuner überreden aber ich möchte lieber losfahren… die Strasse ruft ;-) …. sie steht in der Hoteltüre und winkt… richtig herzig…

Durch die engen Gassen runter zur Brücke… schöne Stimmung, ein Heissluftballon hebt sich gegen die Sonne ab, die ihre Strahlen zwischen den dunklen Wolken hervorblitzen lässt… nach der Brücke rechts am Camping vorbei und schon bin ich am Kanal, dessen Rand von riesigen Platanen gesäumt ist. Erinnert mich an die hohen Chorschiffe der Kathedralen… haben die Baumeister wohl abgeguckt? Kann mann sich schon vorstellen…

Stimmung 9-10… retour en route!… muss mich erst wieder gewöhnen… aber langsam komm ich in Fahrt… bei Le Guétin dann ein grosser langer Pont-Canal, mit der der “Canal latérial á la Loire” über die Allier geführt wird, die gleich danach in die Loire mündet. Bin immer wieder von Neuem beeindruckt von diesen Bauwerken. Auf der einen Seite der Kanalbrücke zwei Schleusen hintereinander, die zusammen sicher 15m Höhe überwinden… wie machen die das bloss mit dem Wasserausgleich?

Dann weiter, erst ein Stück dem Kanal entlang bevor der Weg dann an die Loire führt. In Givry möcht ich gern einen Café au Lait mit Croissant trinken, schliesslich bin ich jetzt doch schon 24km gefahren, also bald schon die Hälfte meines Tagessolls… ist aber nichts… alles geschlossen… und zwar nicht einfach heute geschlossen, sondern zu, verlassen… der ganze Ort macht ein wenig einen verschlafenen Eindruck, hat zwar viele neuere Einfamilienhäuser aber keine Läden, eine kleine Bar, aber dort gibts eigentlich nichts, klar einen Kaffee bekäm ich, aber ohne Croissant? Ist offenbar ein Vorort von Nevers, gehen vermutlich alle in diese grossen Einkaufszentren oder dann gleich nach Nevers… auf der Karte ist Givry nämlich nur etwa 7km von Nevers weg, ich bin einfach einen Umweg dem Loirebogen nach gefahren… aber es war auf alle Fälle sehr schön.

Also kein Kaffee… hmmm… die Stimmung nicht ganz so hoch wie gewohnt… der Weg führt jetzt auf dem Damm, der mal mehr, mal weniger weit entfernt der Loire entlang führt. Wahnsinn, manchmal sind einige hundert Meter zwischen Damm und Fluss, unvorstellbar dass diese Flächen alle mit Wasser gefüllt sein können und doch ist’s offenbar möglich… umsonst bauen sie nicht Kilometer um Kilometer Damm. Die Hochwasser dieses Frühjahr kommen mir wieder in den Sinn. Einfach unvorstellbar!!

Der Veloweg, seit Nevers heisst er jetzt also offiziell “La Loir á Velo”, ist SUPER. Hier auf dem Damm frisch geteert… fahre ohne Anstrengung zwischen 20 und 25 km/h. Die Landschaft wundervoll… trotzdem, erst vor zehn und schon wird warm… und der Kaffee!!!!!

Auch in Marseilles-les-Aubigny, finde ich keine Bäckerei, mmm langsam singt mein Stimmungspegel unangenehm… der nächste Ort Beffes über die Strasse ca. 3km, nicht allzu sehr befahren nehm ich sie. Auf dem Weg möcht ich ein Zementwerk fotografieren, jetzt öffnen sich die Verschlusslammellen vor dem Objektiv nicht mehr ganz… NEI!!!! auch das noch, so eine Scheisse!!! 

Glücklicherweise findet sich in Beffes, jetzt schon nach 36 km ohne Frühstück, eine Boulangerie und gleich gegenüber eine multifunktions Bar-Presse-Restaurant-Tabac-Laden… also endlich der jetzt wirklich wohlverdiente Café au Lait… nach dem Ersten, der beinahe kalt wird weil ich doch meinen Foti reparieren muss, habs vor längerer Zeit schon mal gemacht, ist eine “Niffeliarbeit” mit kleinen Teilen und Federn, aber es klappt gottseidank, stolz bestell ich mir dafür nochmals einen Cafe au Lait, den ich jetzt heiss trinke… dazu studiere ich die Karte. Eigentlich würde es auch reichen wenn ich heute nur bis La Charité-sur-Loire fahren würde… hmmm mal sehen wie sich der Ort anfühlt ;-). Dann schau ich mir auch gleich nochmal die weiteren Etappen bis Orléans und weiter dann bis Tours an, wo ja dann am 30.7. Sibylle kommen wird. Ist gar nicht mehr so weit und ich kann recht kurze Etappen fahren, so zwischen 30 und 50 km pro Tag.

Nach einer wirklich ausführlichen Pause fahr ich gegen halb zwölf weiter… bis nach La Charité sind’s nur noch 10km, also keine Stunde. Die Stimmung dank Kaffe, wieder funktionierendem Fotoapparat und einfach wunderschöner Umgebung steigt wieder und als ich über eine wundervolle alte Loirebrücke in La Charité einrolle steigt sie auf mindestens 12! Der Ort ist ein Traum, gefällt mir auf anhieb. Mittelalterlich Gassen um eine schöne alte Basilisk, ursprünglich Teil eines Klosters, einem Ableger der mächtigen Abtei Cluny im Burgund.

Und gaaanz viele Antiquariate, wow geil… ;-)… strample die Gassen hoch, wunderschön, sie räumen grade den Markt zusammen, schade…. die zwei Hotels oben im neueren Stadtteil sind voll… geh ich halt auf den Camping. Auf der runterfahrt halt ich am Office de Tourismus, wo ein sehr netter Herr meint, es müsse sich doch ein Zimmer für mich finden. Im Hotel “Le Bon Laboureur” findet er auch problemlos eines… nun bin ich glücklich ;-)… rolle gleich über die Brücke, das Hotel liegt auf der Insel in der Loire, beziehe mein Zimmer, dusche und nauschle vor mich hin… zwischen 13 und 16 Uhr hat eh alles geschlossen und es ist nun wirklich heiss draussen, das Thermometer hatte vorhin 33 Grad angezeigt….

Gegen vier mach ich mich dann zu Fuss auf, über die Brücke… ist immer noch SEHR heiss, fange nur schon beim normalen gehen an zu schwitzen. Aber in der Basilisque ist es angenehm kühl… setz mich sicher 20 Minuten in eine Kirchenbank und bestaune diese Kirche… die “Säulen der Erde” kommen mir in den Sinn. Wirklich erstaunlich was die Menschen zu dieser Zeit geleistet haben… welche Macht diese Kirche ausströmt… zu dieser Zeit hatte die Kirche, die Klöster unheimliche Macht… das sie die Menschen dazu gebracht haben solche Bauwerke zu bauen…allein zum Ruhme Gottes… und dabei waren die Bauern sehr arm und haben trotzdem ihre Energie in solche Bauwerke gesteckt. Natürlich, die Mönche haben sie auch von Krankheiten geheilt, haben sie beschützt vor Ungeheuern (welchen Ungeheuern ???)… irgendwie stimmte da doch was nicht ganz…. na ja, diesen Gedanken nachhängend schlendere ich durch den teilweise rekonstruierten Kreuzgang der ursprünglichen Abtei.

Danach schwelge ich in den Antiquariaten. Stadt der Bücher und des Worts nennt sich La Charité auch. Alte Stiche und Landkarten, alte wunderbare Erstausgaben von Balzac, Shakespeare find ich auch, natürlich auch Neueres, alles Französisch, trotzdem verbringe ich lange Zeit in zwei von den vielen Buchläden.

In der Brasserie du Centre finde ich einen angenehmen Ort für Apéro und Abendessen, ein Salade Auvergnate, wunderbarer überbackener Blauschimmelkäse und viel frischer Salat. Nach obligatem Kaffee schlendere ich zurück über die alte Brücke, geniesse die wunderschöne Abendstimmung und gehe dann zufrieden (mindestens 12!!!) ins Bett.

Fotomanie…

Dieser Beitrag hat 0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

An den Anfang scrollen
Suche