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5. + 6. August 2015

5. + 6. August 2015

Der Wecker läutet um sieben, ja! auch in den Ferien gibt es das mal… bin also um halb acht bereit um Jean-Louis auf seinem morgendlichen Ritual zu begleiten. Wir fahren mit dem Velo durch die um diese Zeit noch leeren Strassen… das Wetter wunderschön, die Temperatur noch angenehm frisch. Ein kurzer halt in der Boulangerie, ein Chocolatine, so nennt mannfrau das Pain au Chocolat hier, für Jean-Louis und eines für mich und noch ein Croissant für mich. Dann geht’s weiter in die Bar in der Markthalle.

Hier treffen sich also jeden morgen in etwa die gleichen Männer, es sind vor allem Männer, der Früchtehändler, der Metzger, ein Restaurantbesitzer und Andere auf ihren kurzen Kaffee und ein Pläuderviertelstündchen… mann schüttelt sich die Hand wenn mann kommt und wünscht sich Bonjour, macht ein Witzchen… Jean-Louis stellt mich all seinen Kollegen vor und erzählt natürlich, dass ich mit dem Velo von Saint-Nazaire bis hierhin gefahren bin, was einiges an Sprüchen hervorruft, wie: dass kann nur ein Verrückter oder einer der unter Drogen steht… aber es ist auch ein wenig Bewunderung dabei… der Fernseher läuft, wie eigentlich in allen Bars und Bistros, mit den Frühnachrichten, die Sud-Ouest liegt auf (quasi die 20minuten von hier)… und gibt auch Anlass zu kurzen Diskussionen… so früh am Morgen werden keine tiefen philosophischen Gespräche geführt… es sind vor allem kleine Witze, die hin und her fliegen und Klatsch und Tratsch (fast wie bei den Frauen, aber NUR fast!!!)… so trinken wir zwei Kaffees und mampfen unsere mitgebrachten Chocolatines. Ein Kaffee in Frankreich = ein Espresso, allerdings ist es leider kein italienischer Espresso, sondern einfach ein kleiner Kaffee – nur selten bekommt mannfrau einen anständigen Espresso, eigentlich nie…  ich verstehe nur die Hälfte der Gespräche, natürlich ist das Hauptthema das kommende grosse Fest, die Féria… vieles sind Insiderwitzchen und vieles geht so schnell, da komm ich beim besten Willen nicht mit…  trotzdem ist es eine schöne Erfahrung. Werde auch die nächsten zwei Morgen mitkommen und fühle mich am Freitagmorgen schon richtig dazugehörig, wenn sie mir die Hand schütteln und auf die Schulter klopfen… 😉

Dann geht’s zurück nach Hause… Jean-Louis frühstückt mit seiner Frau… das Ritual spielt sich also jeden Morgen so ab, sofern beide da sind.

Um etwa halb zehn fahr ich mit Jean-Louis in die Stadt… natürlich wieder mit dem Velo… er bewegt sich hier effektiv fast nur mit dem Velo… nur seine Frau Maryse hat ein eigenes Auto, oder sogar zwei, denn sie ist auch noch stolze Besitzerin eines 74er Triumphs!!… Er zeigt mir die sogenannte Penada, wo er heute morgen und auch in den kommenden Tagen bei den Vorbereitungen helfen wird. Offenbar gibt es so etwas wie Vereine, oder eine Art Zünfte, die ein Vereinslokal haben, dass dann für das Fest speziell hergerichtet wird, eine Bar und Restaurant, eine Bühne, auf der es diverse Vorführungen gibt, wie Musik und Flamencotanz… überhaupt scheint das ganze sehr Spanisch zu sein… so gibt es also diverse dieser Penadas, die mannfrau dann besuchen kann, also von Penada zu Penada ziehen und sich gegenseitig besuchen… die ganze Stadt ist jeweils für 5 Tage komplett aus dem Häusschen, am Nachmittag und am Abend finden jeweils diverse Wettkämpfe in der Arena statt. In der Arena haben 8000 Leute Platz und sie ist immer ausverkaut, Plätze bekommt mannfrau praktisch nur über Beziehungen, die Meisten haben einen Stammplatz, quasi ein Abo… Jean-Louis und Maryse werden alle diese Vorstellungen besuchen!!

Überall werde ich sehr freundlich begrüsst, mannfrau spendiert mir Kaffee’s und ich werde über meine Erlebnisse ausgefragt…

Dann mach ich mich auf und ziehe durch die Gassen der Stadt… auch hier wird alles vorbereitet für die kommende Woche… wie das so ist fliesst natürlich auch viel Alkohol und die Leute sind entsprechend aus dem Häusschen… Blumenkisten, Grünflächen und Brunnen werden mit Gittern abgesperrt… wie in Zürich an der Streetparade… ansonsten ist die Stadt noch ruhig am Morgen… auf dem Place de la Cathedral spielt ein Pianist, hat sein Klavier auf Rollen montiert und ist so beweglich… friedliche Stimmung…

Mache mich wieder auf den Heimweg und bin gegen 12 wieder „zu Hause“… Jean-Louis ruft mich an, ob ich mit ihm und seinen Kollegen mittagessen möchte… aber ich bleibe lieber hier, geniesse die Ruhe… Jean-Louis ist es gar nicht recht, so komme ich ja gar nicht zum Essen…

Ich lümmle wirklich den ganzen Nachmittag rum, nehme ab und zu ein Bad im Swimmingpool, der zwar mit 25 Grad warm ist aber trotzdem erfrischt… ich mache quasi Ferien von den Ferien 😉…

Ausserdem beschäftige ich mich mit meiner Weiterfahrt… bin ein wenig unentschlossen und auch etwas lustlos, wie ich die verbleibenden Tage bis Mittwoch, 12.8. wenn ich nach Paris fahre noch verbringen soll. Schiesslich entscheide ich mich den Weg von Dax nach Bayonne in zwei Etappen zu machen, auch unter Berücksichtigung der Wetteraussichten, die für Freitag und Samstag nicht super sind, so plane ich zwei kleine Etappen… am Freitag nach Peyrehorade und dann am Samstag nach Bayonne, dann werde ich am Sonntag nach St-Jean-de-Luz fahren, dort einmal übernachten, am Montag zurück nach Bayonne, Dienstag in Bayonne und dann am Mittwoch mit dem Zug nach Paris, Donnerstag nach Zürich… so der Plan.

In Peyrehorade gibt es nur ein Hotel, doch das ist voll… dort ist am Wochenende auch Fest… finde aber noch eine Chambre d’hote ca. 4km von Peyrehorade entfernt in Sorde-l’Abbaye… auch in Bayonne ist es schwierig… jetzt merke ich die Ferienzeit… aber schliesslich finde ich noch ein Zimmer im Hotel Monte-Carlo gleich beim Bahnhof… sieht ein bisschen nach Absteige aus, wird aber immerhin vom Office de Toursime empfohlen… habe langsam ein ganz klein wenig genug von dieser Planerei und diesem Entscheiden, ist nicht immer einfach so alleine 😉…

Irgendwann kommt Jean-Louis nach Hause und montiert Sonnenstoren in seinem Büro… Apéro, nur wir zwei, friedlich… dann bereiten wir das Abendessen vor… Maryse holt heute ihre Mutter aus Rochefort, sie ist 95(!!) Jahre und wohnt immer noch alleine…

Jojo, so heisst die Mutter von Maryse, wenigstens nennen sie alle so, weiss gar nicht wie sie richtig heisst, ist wirklich noch fit… sie hat einen gewissen Schalk in den Augen uns versucht doch tatsächlich zu flirten… es ist seltsam… sie ist geistig zwar voll da bekommt auch alles mit und doch lebt sie offenbar sehr in der Vergangenheit… wir sprechen, vor allem am Donnerstag, viel miteinander… sie wiederholt sich doch einige Male und erzählt viel von früher, als sie 20 war, das ist jetzt 75!! Jahre her… Wahnsinn… 1920 geboren… ihre grosse Leidenschaft war das Tanzen, immer am Samstag und Sonntag war Tanz… das gibt es heute nicht mehr meint sie mit grossem Bedauern… und sie fragt mich sicher ein dutzend Mal ob ich auch tanze… leider muss ich sie enttäuschen 😉

Am Donnerstag Morgen wieder das Kaffeebar-Ritual… schön! Dann fahre ich mit Jean-Louis nach Bayonne, wo er zwei Sonnenstoren, die er falsch gekauft hat, gegen andere umtauschen möchte. So fahre ich quasi die Strecke, die ich noch vor mir habe mit dem Auto, auf dem Hinweg in etwa einer Stunde, weil Jean-Louis mir zeigt wie mein Weg in etwa sein wird und wie die Einfahrt nach Bayonne in live aussieht, denn auf der Karte sieht’s recht chaotisch aus… aber es ist halb so schlimm… er kauft in einem Baumarkt seine Storen und wir nehmen noch einen Kaffee in der Stadt… sieht gut aus, dieses Bayonne, was mich irgendwie aufstellt… zurück geht’s dann schneller in nur etwa einer halben Stunde…,

Am Donnerstagabend ist grosses Fest, Alessandre, einer der Söhne von Maryse, lebt in Lyon, ist mit seinen Freunden hier am Meer in den Ferien und kommt heute mit allen zusammen zum Abendessen – so sind wir 15 Erwachsene und 7 Kinder… es wird viel gegessen, getrunken und geredet… mein Französisch wird immer besser…

trotz Ferien von den Ferien, für ein paar Bilder hat’s doch gereicht….

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