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1. August 2015

1. August 2015

Heute habe ich also diese ca. 65 km durch eine Einöde vor, so sieht es wenigstens auf der Karte aus. Die Strassen führen kilometerweit geradeaus durch ein Waldgebiet und es liegen nur ganz wenige kleine Dörflein oder Weiler auf diesen ersten 65 Kilometern.

Nehme das Petit Déjeuner im Hotel, unterwegs habe ich ja keine Gelegenheit, es sieht nicht so aus als ob es innerhalb der ersten 65km einen Laden oder eine Bar gäbe. Deshalb fahre ich erst um 8:53 ab. Aber der Himmel heute Morgen wieder sehr bewölkt, deshalb spielt es keine grosse Rolle.

Mache mich also auf die Räder… auf die D8, die ersten 13km haben genau eine Kurve beim Weiler Taris. Beeindruckt mich, diese eintönige Landschaft… nur Wald Wald Wald, nur Kiefern – alles künstlich, Monokultur. Ich fahre und fahre… es läuft gut, habe im Schnitt 20km/h auf dem Tacho, das ist nicht schlecht für mich, die Eintönigkeit der Landschaft und dieses ewige Geradeaus animieren… der Kopf wird leer mit dem Pedalen und der eintönigen Landschaft, hat etwas Meditatives… auch schönes….

Die Wälder, die fast das ganze Gebiet des Departements les Landes und etwa die Hälfte des Départments Gironde bedecken wurden erst Anfang des 19. Jahrhunderts angelegt. Vorher war die ganze Gegend eine grosse Sumpf- und Weidelandschaft, die wenigen Bewohner waren sehr arm und litten unter Malaria. Grosse Schafherden zogen durch diese weiten Flächen. Dann kam mann (vermutlich) auf die Idee das ganze Gebiet trocken zu legen und Bäume (Kiefern) zu züchten für die Holzproduktion. Neben der Kohle war Holz eine wichtige Energiequelle für beginnende Industrialisierung.

Der erste Ort Bourideys nach 13 km, mitten im Wald…nicht viel oder gar nicht’s los. Dann weiter die nächsten 14 km bis Luxey. An der Departementsgrenze Gironde / Les Landes wird die D8 zur D4 – eine Abwechslung. Ein paar kleine Weiler mitten im Wald. Zum Teil typische Wald/Bauernhäuser à la „Landaise“, gebaut mit dem eigenen Holz. Sie haben Platz hier, die Häuser umgeben von kleinen Scheunen in einer parkähnlichen Landschaft mit Eichen. Ansonsten weitherhin Kiefern Kiefern Kiefern in diversen Generationen…. ganz kleine, neu aufgeforstete, mittlere und ganz Grosse.

Dann Luxey, auch ein kleiner Ort im Niergendwo. Frage einen älteren Herren was denn heute mit dem vielen Holz gemacht wird. Papier (ca. 40%) und Pressspanplatten, ein kleiner Rest normales Bauholz. Dann die nächsten 21 Kilometer auf der D9 bis Lencouacq… immer das Gleiche. Eintönig, mal unterbrochen von einem Flüsslein… ansonsten immer das selbe. An einer Kreuzung kommen mir zwei riesige Maschinen entgegen… ist mir nicht ganz klar welchem Zweck sie dienen… Bäume fällen, glaub ich nicht, vielleicht Wurzeln ausreissen? – weiss es nicht. Ein bisschen Musik wäre nicht schlecht – jetzt – in dieser Einöde. Aber getraue mich nicht, denn dann höre ich die Blechbüchsen nicht kommen. Es fahren aber wirklich sehr, sehr wenig Blechbüchsen hier. Vielleicht alle 15/20 Minuten kommt mal eines, dann allerdings ziemlich schnell auf diesen Strassen, sie bremsen zwar meist ab wenn sie mich sehen – trotzdem, höre sie gerne kommen. Einmal einzelne Maisfelder, aber das ist eine Ausnahme… dann wieder Kiefern, Kiefern, Kiefern. Bin froh ist der Himmel immer noch bedeckt, wäre es wolkenlos wäre es ganz schön heiss auf diesen Strassen, die Bäume bieten keinen Schatten hier, da sie meist mit Abstand von der Strasse gepflanzt sind, die Strassen gleichzeitg Schutzschneisen bei allfälligen Waldbränden bilden. Dann Lencouacq… wieder ein kleiner Ort, hätte sogar eine Bar… aber möchte die 11km bis Roquefort auch noch hinter mich bringen, dann ist der grösste Teil der heutigen Strecke geschafft.

Hinter Lencouacq ändert sich der Waldcharakter ein ganz kleine wenig… es hat mehrere kleine Bäche und die Strasse hat etwas mehr leicht Kurven und fällt jeweils in kleine Tälchen ab und steigt danach wieder. Es hat vermehrt Eichen und auch Kastanien am Strassenrand die nun auch gegen die langsam hervorbrechende Sonne Schatten bieten.

Schliesslich Roquefort, 12:45 Uhr und ca. 65 km geschafft. Ich habe nicht herausgefunden ob hierher der Roquefortkäse kommt, Kühe sehe ich jedenfalls nicht. Der Ort, etwas grösser, es war offenbar Samstagsmarkt… mannfrau ist am zusammenräumen. Vor einem Restaurant vor der Brücke über den Fluss Estampon sitzen die Leute und essen. Hier bekomme ich vermutlich nicht’s zu trinken. Aber weiter im Dorf hat es eine Bar, hier gönne ich mir ein kaltes Coci, inzwischen ist es heiss geworden in der Sonne. Im gegenüberliegenden Carefoure kaufe ich mir noch eine Flasche Wasser und fahre dann gleich weiter Richtung St-Justin, meinem heutigen Ziel, noch 11km 👍…

Auf einem kleinen Strässschen ohne Nummer und fast gänzlich ohne Verkehr führt der Weg erst steil hinunter in ein kleines Tal, wo ein schöner Weiher liegt und steigt dann wieder genau so steil hinauf. Weiterhin dieser Wald – aber irgendwie hat er einen anderen Charkakter, dazwischen immer wieder Eichen und Kastanien. Im kleinen Weiler Douzevielle ist alles für das Waldfest am nächsten Wochenende vorbereitet, das Zelt steht und die Fähnchen hängen auch. Auf einer Wiese zwei riesige alte abgestorbene Eichen… möchte nicht wissen wie viele Blitze schon eingeschlagen haben.

Dann bin ich schon in Saint-Justin. Ist schnell gegangen heute, die 75 km! Der Ort grösser als ich ihn mir auf Grund der Karte vorgestellt habe. Schöner grosser Dorfplatz… das Hotel Le Cadet de Gascogne ist schnell gefunden, deswegen bin ich also bis nach St-Justine gefahren – Roquefort hätte sonst auch gereicht. Leider liegt es an einer ziemlich befahrenen roten Strasse – aber trotzdem überzeugt es mich auf den ersten Blick. Im Garten, der komplett von jungen Ahornbäumen überdeckt und schön schattig ist, sitzen noch die letzten Gäste vom Mittagessen. Aus der Bar ist laute Musik zu hören… eher Techno… ein junger Mann mit kurzen Hosen, Bart wie er jetzt so Mode ist, dünnen Beinen, T-Shirt und Baseballkappe heisst mich willkommen, bestaunt mein Velo, den Riemenantrieb, die Schaltung und plappert unheimlich viel drauflos, aber tortzdem 😉 sympathisch – er sei Simon, der Chef… also ich bin Jörg… ob er eine Probefahrt machen darf… klar, von mir aus – er bringe das Velo dann gleichzeitig in der Garage… super, bis jetzt noch nicht da gewesener Service! Ich lade also ab… er bringt mir ein Pression und macht die Proberunde und versorgt das Velo. Das ganze Personal scheint um die 30 oder jünger zu sein – Simon, sagt mir auch gleich sie seien alle jung, er 32, seine Freundin oder Frau 28, die älteste Frau sei 42… ich also Uralt…

Das Hotel, ganz neu eingerichtet, alles sehr modern. Das Zimmer wirklich superschön… da gibt’s wirklich nicht’s auszusetzen… auch das Bad sehr funktionell… schön… kein Firlefanz… über dem Bett ausnahmsweise mal drei kleine sehr schöne Bildchen… irgendwie hat die Homepage eher zu wenig versprochen.

Ich erhole mich… die Hotelmannschaft hat auch Pause… um sechs gehe ich runter in den Garten… Simon sofort da, plaudert wieder alles Mögliche aber er macht es wirklich auf eine sympathische Art und Weise und ich beobachte ihn, er findet für jeden Gast genau die richtigen Worte ohne seine jugendliche Art zu verleugnen – der geborene Gastgeber.

Ich sitze also und beobachte die Leute, nippe am Bier und knabbere an meinen Oliven und schreibe auf meinem Laptop… tipp topper Internetempfang hier!… anfangs bin ich alleine, dann mit der Zeit füllt sich der Garten… um halb acht ist der Garten voll. Das Essen wirklich ein Traum!! Der Hauptgang Poulet gebraten mit einer marokkanischen Sauce und Couscous… wirklich SUPER!! Dazu immer ein passendes Glas Wein, ausgesucht vom Chef, da ich alleine keine ganze Flasche trinke und er nur 0.75l-Flaschenweine hat…

Sitze lange im Garten und beobachte die Leute und geniesse das mehr als ausgezeichnete Essen. Die Strasse hat sich übrigens beruhigt und ist inzwischen – 22:30 – ganz ruhig.

Hat sich gelohnt hierhin zu fahren – schöner 1. August 😉

des photos méditative…

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