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28. Juli 2015

In der Wohnung liegen allerlei Fahrpläne und Prospekte auf. Unter anderem ein Fahrplan vom öffentlichen Boot „BatCub”, dass zwischen Stalingrad (Parlier) und Lormont Bas, einem Vorort Flussabwärts, pendelt. 6 Velos haben Platz… 9:05 erste Verbindung ab Stalingrad… hab ich mir gedacht, dass könnte schön sein so früh am morgen und wenn’s halt kein Platz für’s Velo hat dann eben nicht…

Hab mir den Wecker gestellt, trotz Ferien, kann ja ein Nachmittagsschläfchen machen 😉… und bevor das Ganze losgeht wird natürlich erst gefrühstückt mit Croissant, Pain au Chocolat und Tee…

Dann fahre ich also durch das dienstagsmorgendliche Bordeaux Richtung Pont de Pierre und über die Brücke, die Luft noch schön frisch und der Himmel blau… nach der Brücke links (rechts sehe ich noch das Velowegschild Sauveterre-de-Guyenne – aber dazu später mehr). Bin natürlich viel zu früh, bin immer gern etwas früher, lieber noch ein Weilchen warten, wissen die mich kennen 😉… auf der gegenüberliegenden Flussseite strahlen die berühmten Fassaden von Bordeaux in der Morgensonne unter stahlblauem Himmel… fahre noch ein Stückchen dem Quai Richtung Jardin Botanique, mal sehen wie der so ist, wäre vielleicht auch noch was… aber sieht nicht spannend aus…

Zurück zum Parlier Stalingrad… das Boot kommt von Quinconces her angefahren… ausser mir wartet nur noch eine junge Frau… der „Schiffsjunge“ kommt vom Boot rauf und öffnet das verschlossene Gitter zum Steg… Bonjour Monsieur, mann ist wirklich freundlich hier in dieser Stadt… (frau übrigens auch)… wir sind wirklich nur zwei Passagiere auf dem Boot plus Kapitän und „Schiffsjunge“… schön!!… Billet kaufe ich beim „Schiffsjungmann“, 1.50 Euros, Velo gratuite… dann legen wir ab… langsam bewegen wir uns Richtung Flussmitte, entfernen uns langsam Richtung Quinconces, wo der nächste Halt ist und die junge Frau aussteigt, jetzt bin ich ganz alleine…. der Motor oder Motoren scheinen kräftig zu sein aber tönt gar nicht wie ein Diesel… frage den Kapitän, und tatsächlich sind es vier starke Elektromotoren, die das Schiff antreiben, er zeigt mir stolz seinen Bildschirm und erklärt mir so Einiges, leider verstehe ich nicht alles, trotzdem interessant… und schön so auf dem Fluss zu sein… Gestern war ich mir nicht ganz sicher ob Ebbe und Flut bis Bordeaux kommt, deshalb frage ich auch das die zwei jungen Herren von der Crew… und tatsächlich, natürlich!!… 1.50m bis 2.00m sinkt und steigt der Fluss hier noch an, je nach dem ob Ebbe oder Flut…

An der Haltestelle „Les Hangars“ steigt doch noch eine Familie mit ihren Fahrrädern zu… dann geht’s ohne Halt bis Lormont Bas… langsam fährt das Schiff mit seinen surrenden Elektromotoren den Fluss hinunter…. unter der neuen, weissen Brücke Pont Jacques Chaban-Delmas hindurch… beeindruckende Konstruktion, eine Hubbrücke, der mittlere Teil kann 50m hochgezogen werden, dann ist die Durchfahrtshöhe 100m hoch!, offenbar kommen von Zeit zu Zeit kleinere Kreuzfahrtschiffe die Garonne hoch und können so vor der Altstadt von Bordeaux anhalten… ganz neu die Brücke, 2013 eröffnet… der Kapitän scheint stolz drauf zu sein…und dann kommt schon die nächste Brücke in Sicht, die Autobahnbrücke Pont d’Aquitaine (mannfrau merkt sicher, dass Thema Brücken interessiert mich… sind einfach faszinierende Bauten)… hoch ist sie, diese Brücke… wow… am Fuss der Brücke ist meine Bootsfahrt zu Ende, kurz überleg ich mir wieder mit dem Schiff zurückzufahren, aber dann entschliess ich mich doch auszusteigen… inzwischen sind wieder Wolken aufgezogen… etwas unschlüssig, ob ich mir noch den Vorort Lormont Bas anschauen soll stehe ich am Quais… kann ja mal kurz schauen, geht allerdings den Berg hoch!!… aber fahr schliesslich doch hoch… ist aber nicht’s Spezielles… wär eine schöne Hauptstrasse mit alten Häusern, aber sind alle ein bischen runtergekommen, vermutlich kein Geld und für die Touristen lohnts sich nicht… wer kommt schon nach Lormont Bas wenn er in Bordeaux ist…

Fahre unter grauem Himmel Richtung Pont Jacques Chaban Delmas, nichts Schönes hier… Industriequartier… eine Bootswerft, die riesige Katamarane herstellt, in der Halle stehen gleich vier solcher Riesen… ansonsten viele Lastwagen, aber immerhin hat’s einen Velostreifen… dann die Brücke Pont Jacques Chaban Delmas!! Bin beeindruckt… mannfrau kann’s an den Fotos sehen 😉… das Ganze scheint aus Stahl zu sein, riesige Träger… und doch sieht es luftig aus… imposant die Türme an denen der mittlere Teil an riesigen Flaschenzügen hochgezogen wird… links und rechts, getrennt von der Fahrbahn übrigens breite, separate Wege für Fussgänger und Velofahrer…

Nach der Brücke geht’s dann entlang den sogenannten “Les Hangars”  wieder Richtung Stadtzentrum. Die „Hangars“ sind alle neu gebaut und werden als Sehenswürdigkeit von Boredaux angepriesen… früher standen hier Lagerhallen und die Schiffe, wo die Schiffe gelöscht wurden… dann ist das Ganze zerfallen und verslumt, wie das so geht… dann, nicht so lange her, um 2000 wurde alles abgerissen und „Les Hangars“ gebaut um die Gegend aufzuwerten und wieder Leben hierhin zu bringen… angeblich nicht ganz so erfolgreich wie gedacht…. es hat sehr viele Läden hier, sollte also auch eine neue Einkaufsmeile sein… Erfolg hält sich in Grenzen… dann natürlich eine ganze Reihe von Brasseries, Kaffes und Restaurants… die laufen nicht schlecht… wofür aber die Quais bis hier hin offenbar gebraucht werden ist zum joggen 😉… woher ich das alles weiss? Fand es Zeit für einen Kaffee, schliesslich schon halb zwölf und habe mit der Mademoiselle geplaudert, die mir den Kaffee gebracht hat…

Dann geht’s weiter… komme an einem Sakte Park vorbei und schaue längere Zeit dem Treiben dort zu… zwei Jungen mit diesen speziellen Velos machen beeindruckende Sprünge inklusive Velos…

Bin müde (schliesslich früh aufgestanden) und beschliesse zurück ins „traute Heim“ zu fahren und eine Siesta zu machen… esse noch den Rest des Käses… und schaue mir die Karte an… habe mir lange überlegt wie’s weitergehen soll. Gab verschiedene Möglichkeiten:

  • Mit dem Zug zurück nach Soulac-sur-Mer und von dort die ganze Strecke bis nach Dax respektive Bayonne, so aus Prinzip den ganzen Weg gemacht zu haben, hatte ich aber eigentlich schon in Uster verworfen.
  • Von Bordeaux wieder ans Meer, einfach so ungefähr grade rüber ins Becken von Arcachon und dann in den Süden… hmmm wieder in diese Sommertouristenorte… das Meer ist schön und die Natur der Küste auch… einfach im Moment etwas überlaufen…
  • Oder durch’s Landesinnere nach Dax… in Uster war ich schon auf einen Veloweg von ca. 60km von Bordeaux aus Richtung Südosten bis nach Sauveterre-de-Guyenne gestossen. Ab da müsst ich mir den Weg weiter suchen. Nachteil: eben, muss mir den Weg selber suchen, mit Karte, Gefühl und den Informationen, die ich so finde auf dem Weg… ist natürlich schön bequem, immer einem markiertem Weg zu folgen… Kartenstudium ect. fällt fast weg… höchsten um die Distanzen abzuchecken…

Aber heute morgen, als ich ein sauberes Velowegschild „Sauveterre-de-G. 55km“ am Pont de Pierre gesehen habe, ist der Entschluss so in mir gereift durchs Landesinnere nach Dax zu fahren, das merke ich jetzt und studiere also heute Nachmittag die Karte, wie’s denn nach Sauveterre weitergehen könnte… muss mir „weisse“ Nebenstrassen suchen, die einigermassen zusammenhängen… ist nicht zu unterschätzen, dieses Kartenstudium… ausserdem muss ich ja immer noch sehen, ob’s Hotel’s hat, auch das stand bisher schön im Velowegführer und mannfrau konnte sich drauf verlassen. Im Landesinneren in diesen kleinen Orten, hat’s nicht immer Hotels, weiss ich aus Erfahrung… Chambre d’hotes gingen auch, aber auch diese hat’s ja nicht immer und wie diese finden… der Nachmittag gehört also mehr oder weniger ganz der Zukunftsplanung für die nächsten Tage bis Dax. Aber fix komme ich nur bis Sauveterre-de-Guyenne… alles andere schwirrt noch im Kopf rum… ist ein Prozess, das Wegfinden 😉 in Sauveterre-de-Guyenne reserviere ich ein Zimmer im Hotel de Guyenne, die Dame tönt bestimmt aber freundlich…

Die Wetteraussichten für morgen haben sich in den vergangenen Tagen immer geändert – jetzt sieht’s nach Regen in der Nacht aus und im laufe des frühen Morgens sollte sich der Regen verziehen und am Nachmittag hat’s sogar ein Sönnelein… aber eben, das ganze sieht halbtäglich anders aus….

Abendessen… nochmals im Italiener… na ja, kenn ich schon und muss nicht’s Neues suchen… keine Entscheide treffen, nach dem ich den ganzen Nachmittag nach Wegen gesucht habe, die Gewohnheiten schleichen sich schnell ein, egal wo ich bin 😉, aber es war gut…. und auch heute, die Pasta ist ebenfalls vorzüglich… und dann nochmals ins L’Apollo – und an beiden Orten schon ein Zeichen des Erkennens des Personals… schön oder?

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