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29. Juli 2015

29. Juli 2015

Mittwoch Morgen, Tag der Abreise, mein erster Tag an dem ich so richtig alleine unterwegs sein werde. In der Nacht hat es angefangen zu regnen und jetzt um sieben Uhr, regnets noch immer! Und zwar nicht einfach wie üblich leichter Nieselregen unterweitem Himmel, sondern es „schiffet was abemag“, der Himmel dunkel verhangen… sch… trägt nicht zu einer guten Abschiedsstimmung bei. Jä nu, denke ich, gemäss Vorhersage soll’s ja früh heute morgen aufhören… wobei, der Himmel sieht nicht danach aus. Trotzdem stehe ich auf, fange an zu packen und hole mein Croissant und das Pain au Chocolat, Madame weiss schon was ich möchte… schon beim kurzen Gang quer über die Strasse bin ich ziemlich nass geworden.

Nach dem ich gefrühstückt und fertig gepackt habe… schaue ich aus dem Fenster… und… sieht immer noch gleich aus… was mache ich jetzt, bei diesem Wetter fahre ich nicht 55km, auch wenn ich Regenjacke- und Hose dabei hab und die Satteltaschen wasserdicht sind – nein. Einen Tag verlängern? Versuche es und rufe Aurélian an… Anne ist zuständig. Also rufe ich Anne an und spreche ihr auf die Message-Box (ja, alles auf französisch 😉)… ausserdem versuche ich es noch via Airbnb, kann mannfrau auch versuchen… und warte… Alternative: ein Hotel? mmm auch nicht das wahre – keine rechte Lust… trotzdem bei diesem Wetter fahren? mmmmm 😞 alles nicht das Wahre… meine Stimmung sinkt weiter… das ist der Nachteil am Alleine sein beim Reisen… ist keiner da um mich mit ihm/ihr zu beratschlagen, muss mit mir alleine ausmachen wies weitergeht…

10 Uhr, noch keine Nachricht… alles ist fertig gepackt kann also jederzeit gehen. Krieche einfach nochmals ins Bett, stelle den Wecker auf halb zwölf… Frust… um viertel nach elf läutet das Telefon: Anne, Verlängerung geht nicht, sie braucht die Wohnung… schaue aus dem Fenster, der Himmel immer noch weit und breit mit dunkeln Wolken verhangen – aber! es regnet nicht mehr.

Kurzentschlossen – kein Nachdenken jetzt… rufe ich Aurélian an, ich möchte gehen, ob er vorbeikommen kann? “Pas de problem, j’arrive toute de suite, je suis dans le coins“ und tatsächlich, habe mich kaum angezogen klopft er schon an die Türe, wow das ging schnell. Also dann… adieu, schöne Wohnung, packe meine Taschen und gehe zum letzten Mal die drei Stockwerke runter.. adieu Aurélian – bonne chance, bonne route… packe mein Velo und rolle durch die bekannten Strässchen Richtung Place de la Victoire, wo ich noch einen letzten Cafe Bordelais trinke… die Luft kühl aber mit Jacke geht’s gut und habe sogar Sandalen an…

Über den Pont de Pierre und dann rechts dem Schild „Sauveterre-de-G. 55km“ nach… ein breiter Velostreifen, sauber getrennt von der breiten Strasse führt durch ein Industriegebiet… doch schon bald wird es ruhiger und grüner… der Weg führt entlang der Garonne,es ist Ebbe… hat nur noch vereinzelte grosse Villen… es rollt ganz gut… bald bin ich Latresne, kleiner Ort vor Bordeaux.  Hier fängt die “Piste Cyclable Roger Lapébie” (französischer Radrennfahrer) wie mich eine Info-Tafel informiert. Mit Höhenprofil, geht bis 102m hoch! Der Weg führt auf dem Trasse einer alten Eisenbahnstrecke, die zum Velo-Wander-Reitweg umfunktioniert wurde. Ich rolle los… gleich geht’s in den Wald… die Luft riecht feucht aber frisch nach dem Regen, gute Luft… beginne mich wohlzufühlen… guter spontaner Entscheid 😀👍… super geteert der Weg, ganz flach, da rollts richtig gut, komme schnell auf 20km/h… auch mal mehr… was schnell ist für mich… ahhhh Wald… und bald auch Wiesen und Felder… juhee!! die Kilometer fliegen für meine Verhältnisse… ich geniesse… das Fahren… den Fahrwind… geil!!… sorry…

Bald schon sind 20km gemacht und ich mache eine kurze Pause, esse von den Honigguetzlis, die mir Sibylle hinterlassen hat… der Geissbock auf dem Feld weiss nicht so recht was er mit mir anfangen soll… bis er einen Entscheid getroffen hat fahre ich schon wieder weiter und bin bald in Créon, die Hälfte von den 55km schon geschafft… denke was Trinken wäre gut und fahr in’s Dorf… schön, wieder im Landesinnern zu sein… ich liebe diese kleinen Dörfer… auf dem Hauptplatz war Markt, sind noch am zusammen räumen…

Und weiter… die Steigungen merke ich kaum… da es eine alte Eisenbahnstrecke ist sind die Steigungen sehr verträglich, offenbar konnten sie damals nicht mehr als 1% Steigung bewältigen was mir heute sehr zupass kommt 😉… komme mir wie eine Dampflok vor… unter alten Eisenbahnbrücken durch… sogar ein Tunnel… die alten Bahnhöfe und Streckenwärterhäusschen zum schön renoviert, werden als Wohnhäuser genutzt…  die Landschaft immer weiter und grüner… und bald bin ich mitten im Bordeaux… Wein soweit das Auge reicht… nicht mehr Weizen, Weizen, Weizen… sondern Wein, Wein, Wein… der Himmel inzwischen weiter und blauer…

Die 55km nach Sauveterre-de-Guyenne schaffe ich erstaunlich schnell… kurz nach halb vier bin ich schon dort und fahre durch das Stadttor in das Dörfchen auf den Hauptplatz… und… bestelle mir glücklich und zufrieden ein Préssion! 😃… Dann weiter in’s Hotel de Guyenne, ein Hotel für Routiers wie ich sehe, liegt an der Kreuzung zweier, auf der Karte, roter grosser Strassen. Beziehe mein Zimmer für 39 Euros… ist voll in Ordnung, mit Dusche und WC und Bett, was brauch ich mehr. Dann mache ich mich an die Planung meiner Weiterfahrt… während der Fahrt heute hab ich mir das ganze nochmals durch den Kopf gehen lassen… wenn’s so rollt hat mann Zeit sich Gedanken über Allerlei zu machen.

Also, unter Berücksichtigung aller Umstände, wie Wetter, meiner Kräfte und der Länge der Strecken werde ich morgen Donnerstag nur ca. 25km bis St-Macaire/Langon fahren Übrigens hat mir die Frau im Office de Tourisme in Sauveterre, war ich vorher auch noch schnell, mal einfach so reinschauen 😉, St-Macaire sehr ans Herz gelegt. Langon ist ein grösserer Ort, dort gibt es sicherlich ein Hotel – also schaue ich nicht nach… dann am Freitag weiter nach Villandraut, ca. 30km, das Wetter soll am Freitag nicht gut sein, und 30km schaff ich schon irgendwie… dort schaue ich nach einem Hotel. Wenn ich bei Google (oder auch den anderen Suchmaschinen, habe auch Yahoo probiert) eingebe „Hotel Villandraut“, dann erscheinen erstmal alle Links auf Booking.com und all die anderen Hotelreservierungs-Seiten… allfällige Hoteleigene Seiten gehen auf den folgenden Seiten unter… gehe so vor: Gemeindeseite, eventuell Menupunkt Tourismus, Hotels, falls nichts vorhanden dann eben Booking.com, dann google ich den Namen eines Hotels, dass ich bei Booking.com gefunden habe, meist haben die ja auch eine Seite… dann rufe ich an, ist mir sympathischer und ich habe irgendwie einen Eindruck… der natürlich auch täuschen kann aber immerhin. So reserviere ich im Hotel de Got in Villandraut. Am Samstag wenn das Wetter gut sein soll nehme ich dann die 75km durch die Einöde, so sieht es wenigstens auf der Karte aus, bis nach St-Justine… dazwischen wäre noch Roquefort (nur 65km) aber das Hotel in St-Justine sieht sehr schön aus… für das Ganze brauche ich gute anderthalb Stunden… dann hab ich mir das Bier redlich verdient….

Sitze mit dem Bier vor dem Hotel und warte auf’s Abendessen um 19:30, kann in Sauveterre nur hier essen, das es kein anderes Restaurant gibt. Aber auch egal. Inzwischen schaue ich dem Treiben der Routiers zu, die da vorne laut am diskutieren sind… ihre Sprache tönt rau, aber vielleicht ist das auch nur Einbildung. Ein Völkchen für sich, entweder kurze Turnhosen oder Trainingshosen tragen sie… gehe mal rüber auf den Parkplatz… sind schon beeindruckend diese Sattelschlepper… 16.75m sei sein Auflieger lang, länger ist nicht erlaubt, sagt mir einer Stolz, der merkt, dass ich seinen Sattelschlepper bestaune…

Pünktlich ab 19:30 gibt es z’Nacht, ein ganzes Menu für 12.90 Euros inklusive einem viertel Liter Wein… ich wähle das Steak hachée, dem Fleisch traue ich einfach nicht, nicht, dass es nicht gut wäre, aber immer zu blutig. Vorspeise gibt’s ab Buffet… übrigens Essen die Routiers nicht mit den 4 oder 5 anderen Hotelgästen zusammen, offenbar will mannfrau den „normalen“ Menschen diese Männer (und hier sind es heute effektive nur Männer) nicht zutrauen… ich fände es zwar ganz interessant. Also Vorspeise ab Buffet… wow, in zwei Kühltruhen kann mann sich diverse bereits geschnittene Würste, Terrines, Aufschnitt aussuchen, dazu gibts in grossen Plastikbehältern diverse Salate, halbe Eier mit Maiyonnaise drauf… gewaltige Auswahl und gewaltige Mengen. Das Essen ist gut… nicht für Feinschmecker, aber währschaft gut… dann gibts noch eine Auswahl Käse und noch einen Dessert wieder ab Buffet respektive aus so einer Drehglaskühlschrank… diverse Kuchen, Fromage Blanc ect. …. wirklich, nicht schlecht!! Und Preis-Leistung mehr als in Ordnung.

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