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Wundervolle Überraschungen…

Letzte Nacht bin ich glücklicherweise aufgewacht, sonst hätten wir wohl eine kleine Überschwemmung im Zimmer gehabt, es hat heftigst gestürmt und geregnet.

Nach unserem letzten gemeinsamen Petit Déjeuner verabschieden wir uns. Beat fährt weiter nach Westen und ich breche nach Chaumont-sur-Loire auf. Es war schön, hat er mich die Tage “begleitet”. Hat auch gut geklappt, dass morgens jeder seines Weges zieht und wir uns abends wieder getroffen haben. Jetzt bin ich nochmals drei Tage allein bevor am Dienstag Sibylle kommt.

Es gibt nicht viel zu berichten über diese 25 km nach Chaumont. Erst fahr ich kurz der Loire entlang, dann etwas im “Landesinneren” durch Felder, unterbrochen immer wieder von kleinen Wäldchen und Weilern. Überall treffe ich heruntergerissene Aeste vom Sturm letzter Nacht. Dafür ist die Landschaft wie frisch gewaschen, der Himmel klar und blau, die Temperatur angenehm.

Trotz des wunderschönen Wetters und der lieblichen Landschaft treffe ich nacheinander zwei sich streitende Paare an, mit ihren Velos unterwegs… hei was habt ihr nur?… das Leben ist so schön, was gibt es da nur zu streiten?… hmmm hoffentlich geht mir das nicht gleich nächste Woche… na, wir werden’s sehen.

Bei dem kleinen Weiler “Le Plessis” hängen an einem Zaun handgeschriebene Tafeln “Pause Cafe – Breake Coffee”. Es sieht schön aus, zwei Tischchen auf dem grünen Rasen, Blumen… etwas chaotisch das Ganze… aber sehr liebevoll. Also lass ich mich darauf ein, stell mein Velo in den Garten und bediene mich in der Scheune… ist Selbstbedienung, aber alles vorhanden was es braucht… ein Kässeli “donne qui peut, donne qui veut”… setz mich an das Tischchen und geniesse den Morgen, das Vogelgezwitscher… und abgesehen davon die absolute Ruhe… irgendwann erscheint ein uraltes Männchen, versuche ihm zu sagen, dass alles schön ist, aber ich glaube er möchte einfach gern seine Ruhe und setzt sich auf eine Bank im Schatten… als dann zwei holländische Paare angefahren kommen verziehe ich mich, wird mir zu laut ;-)…

In Candé-sur-Beuvron nehm ich mir nochmal einen Café au Lait in der Bar/Tabac, schliesslich hab ich viiiiel Zeit. Sind gerade noch zwei andere Gäste gekommen… die Frau hinter dem Tresen gibt mir zu verstehen, sie käme gleich zu mir… sage ihr, dass ich Zeit hätte, nur kein Stress… sie freut sich und meint nicht viele Menschen hätten Zeit… selbst die Leute mit den Velos, und die seien ja in den Ferien, hätten jeweils Stress und müssten weiter… jaja…

So mache ich also aus 24 km gute drei Stunden und treffe wie angekündigt kurz nach eins in Chaumont ein… hatte der Dame des Hotels heute morgen telefonisch mitgeteilt wann ich ungefähr käme, sie hatte das gestern gewünscht. Das Hotel de la Loire ist ein kleines, feines Hotel (4 Zimmer) mit einem ebenso kleinen Restaurant an der Hauptstrasse von Chaumont… hat übrigens nur eine Strasse, der Loire entlang, der entlang die Häuser gebaut sind. Auch die Wirtin ein kleine feine Französin, sehr freundlich… überhaupt alles sehr liebevoll…

Ich nehm eine Dusche, lade wieder mal ein paar Fotos hoch, bin etwas ins Hintertreffen geraten die letzten Tage.

Um halb 4 mach ich mich zu Fuss auf den Weg zum Schlosseingang. Vom gegenüberliegenden Hotel-Restaurant überleg ich mir bei einem Coci unter Bäumen im Schatten ob ich dieses Schloss nun besichtigen soll oder nicht, kostet 16 Euros, was ich ein wenig übertrieben finde… viel Leute hat’s. Heute Nachmittag hat es schon zwei mal geregnet… die Wolken ziehen hoch, schnell und bringen kurze Regenschauern mit…

Trotzdem entscheid ich mich für die Visite de la château de Chaumont. Der Eingang ist unten an der Dorfstrasse, dann wird mann langsam die langen Treppen den Hügel hinauf zum Schlosspark hochgeführt… hmmm wirklich viele Leute :-( …. aber es hat nur 10 Euros gekostet, 16 wäre inklusive der Besichtigung der Gärten des Internationelen Gartenfestivals, dass hier jedes Jahr stattfindet. Während des Aufstiegs lese ich, dass Schloss Chaumont immer schon ein Ort der Kunst war, Katharina von Medici wohnte hier. Balzac, Vigny, Proust und Rodin inspirierten sich hier… aha… na mal sehen ob’s mich auch inspiriert…

Langsam erreiche ich die Höhe und der Park ist schon mal beeindruckend… irgendwie elegant… diese weiten Rasenflächen und die grossen uralten Bäume… im Schloss, na ja, zuerst durch den obligaten Museumsshop… dann folgen die gewohnten Räume wie Wohnzimmer, Schlafzimmer von der Medici, ob das damals so aussah?… Raatssaal, Saal der Wachen, Schlafzimmer der Prinzessin… ect ect…

Dann bin ich jedoch überrascht… komme hoch in den dritten Stock… was auch immer diese Räume mal waren, vielleicht die Räume der besseren Bediensteten… sie sind immer noch so wie vor 50 oder vielleicht 100 Jahren zurückgelassen… zum Teil als Estrich benutzt, liegen allerlei alte Gegenstände rum, wie das halt so ist auf einem Estrich… ein Raum voller alter Türen… durch die Dachfenster kommt viel Licht rein… es ist also hell, lichtdurchflutet und nicht etwa dunkel… und vor diesen Fenstern hängen diese Bilder-Collagen in Bleiglas von einem Künstler namens Sarkis… in diesen Räumen irgendwie faszinierend… bin hin und weg…

Jetzt hat’s mich natürlich gepackt, ein Stock tiefer wieder in den ehemaligen Privaträumen der Medici… aber heute hell und leer mit schönem Parkett noch mehr Installationen zeitgenössischer Kunst, David Nash’s Skultpuren aus Holz. Eva Jospin, auch sie befasst sich mit Natur, versucht die Formen und Räume von Wäldern mit Pappe nachzubilden und umzusetzen…

Bin echt fasziniert, wie heisst nochmal der Künstler, der so Naturinstallationen macht… der Name will mir einfach nicht einfallen, selbst das Internet hilft nicht.

Im Museumsshop betrachte ich nun all die Bücher dieser Künstler, hatte vorher nicht verstanden wieso die wohl hier aufliegen… schlendere noch durch die ehemaligen Stallungen, zu beginn des letzten Jahrhunderts offenbar die modernsten in ganz Frankreich… durch den “Gemüsegarten” und den ehemaligen Gutshof und überall finde ich Kunst… kann gar nicht alles aufnehmen und anschauen… und alles ästhetisch unheimlich schön!!!

Um halb sieben werde ich freundlich darauf hingewiesen, dass jetzt geschlossen wird… so steige ich völlig verzückt hinunter von diesem Hügel der Künste ;-) … jetzt brauche ich aber wirklich ein Bier!

Zurück im Hotel esse ich das Menu für 14.50 inklusive einem Glas Wein… einen feinen kleinen Salat zum Anfang, wirklich frisch… dann Fisch mit Reis an einer Kräutersauce und zum Dessert eine Zuckersüsse Melone, dazu ein kalter, würziger Weisswein aus der Gegend (natürlich)… serviert von der reizenden 17-jährigen Tochter der Wirtin… und nochmals bin ich überrascht heute! ;-)…

Danach mache ich einen Spaziergang an die Loire… und hier haut’s mich gleich nochmals um… dieser weite Himmel mit den Wolken, die Sonne am untergehen und dazu die Loire… verfalle ungebremst in eine Fotografierorgie, mache dutzende von Fotos, mit und ohne Filter (elektronische)… wow… dann noch ein Regenbogen… einfach fantastisch!!!!

Wirklich ein Tag der Überraschungen :-)

et comme toujours… les photos

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