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Brocante… 150m neben dem Touristenstrom…

Heute heisst mein Ziel vorerst mal Amboise, mal sehen, Beat war gestern dort und hatte mir ein SMS geschrieben, dass es sehr touristisch sei. Es sind nur 24 km. Ich denk, ich schau’s mir mal an… wenn’s mir too much ist, fahr ich einfach weiter… im “schlimmsten” Fall gleich bis Tours), dann bleibe ich eben zwei Tage in Tours bis Sibylle am Dienstag kommt.

Ein kurzes Stück der Loire entlang, dann geht’s durch Weinberge…. Der Wein der Loire ist kein “grosser” Wein, hatte mir die Wirtin gestern Abend noch erklärt. Der Wein wird jung getrunken, sei aber erfrischend fruchtig. Gibt viel Weisswein, derjenige von gestern Abend war wirklich ausgezeichnet, sehr würzig und fruchtig.

In Mosnes ist Brocante heute am Sonntag, ein richtiger Flohmarkt… es scheint ein grosses Ereignis zu sein, habe schon mehrmals die Flyers für diese Brocantes gesehen. Die was zu verkaufen haben fahren mit ihren Autos gleich auf die grosse Wiese vor dem Dorf und packen alles aus dem Auto, was sie zu Hause so in der Garage ansammelt… da haben die Blechbüchsen natürlich ihre Vorteile… ;-)… stosse mein Velo durch die “Gassen”… es ist wirklich Flohmarkt… keine Antiquitäten, sondern was mannfrau so hat und nicht mehr braucht… auch ein grosses Zelt ist aufgestellt und es wird bereits Essen vorbereitet… das Ganze ist wohl auch ein Anlass, bei dem sich die Bewohner der umliegenden Dörfer und Weiler treffen… die Leute sind fröhlich und unterhalten sich angeregt, rufen sich von Stand zu Stand Sprüche zu… zwei Frauen fragen mich woher ich käme und wohin ich fahre und gratulieren mir zu meiner Leistung… als ich dann weiterfahre winken sie mir fröhlich hinterher…

Weiter an einem dieser “Industriewäldchen” vorbei, denke mir, die sind wirklich für die Holzproduktion gepflanzt worden… lange gerade Stämme…

Dann wieder durch Reben und Felder etwas entfernt und erhöht über dem Loiretal, da die Hauptstrasse nahe der Loire entlang führt…

Dann kommt bereits Amboise, 24 km sind nicht viel. Fahre langsam durch einige Einfamilienhausquartiere runter in das Städtchen. Vermutlich wohnen hier viele Leute, die in Tours, dass etwa kleiner als Zürich ist, arbeiten… ist ja nicht weit…

Ououou… eine Blechbüchse nach der anderen schlängelt sich durch die Gassen auf der Suche nach einem Platz für ihre Büchsen, dabei hat’s überall grosse Parkplätze. Vor dem Schlösschen, wo’s eine Sonderausstellung über Leonardo da Vinci hat, der hier seine letzten Jahre verbrachte, steht schon eine lange Schlange, das tu ich mir vermutlich nicht an. Unterhalb des grossen Schlosses, dass über dem Städtchen thront, an der Hauptgasse stelle ich mein Velo mal ab um in einem der vielen vollen Brassieren und Café’s einen Kaffee zu trinken. Komme aber noch nicht dazu sondern werde von drei Männern in meinem Alter auf mein Velo mit Riemenantrieb angesprochen. Das hätten sie noch nie gesehen, woher ich denn käme.. ahaa, de la Suisse, ja die Schweizer seien halt fortschrittlich… hier in Frankreich wird’s immer wie immer gemacht… und ja nicht’s Neues. Und dann die Schaltung, mais non!!! tous la dedans? mais c’est fraiment formidable! Und so geht’s weiter, was? de Besançon tous jusqu’ici… pas male!… und wo ich schlafe und und und…

Schliesslich gehe ich doch noch meinen Kaffee trinken und schaue mir das Treiben an… hmmm… immer noch unentschlossen, ob ich jetzt hier bleiben soll… bezahle und rolleschiebe mein Rad durch die engen Gässchen zwischen den vielen Touristen durch. Als die Menge sich lichtet, rolle ich langsam weiter… sehe das Hotel Chaptel an der rue Chaptel, und wie bisher immer, hat’s noch ein Zimmer frei. Nach 24 km nicht müde, dusche ich und wasche wiedermal ein paar Kleider. Danach packe ich meinen Rucksack und schlendere an die Loire, wo auf dem Damm eine Allee mit grossen alten Bäumen zusammen mit dem Wind wunderbar Schatten und Kühle spendet. Auf einer freien Bank schreibe ich an meinem Tagebuch und beobachte die Fllannierenden. Viele viele Franzosen, aber auch viele Holländer und Engländer/Amerikaner, Deutsch hör ich selten…

Nach einer langen Weile spaziere ich zur Brücke… der Wind bläst relativ stark, kühlt aber schön… von der Brücke hat mann eine schöne Sicht auf Amboise und natürlich… auf die Loire… langsam zurück… Zeit für ein Bier… die Gassen gleich nach der Brücke unterhalb des Schlosses noch immer überfüllt mit Touristen… bewege mich weg von diesem Zentrum und schon nach 100 Metern nimmt das Gedränge erheblich ab, nach weiteren 50 Metern und einer Querstrasse weiter praktisch keine Menschen mehr… verrückt!! Bin wieder mitten in Frankreich, wie in jedem anderen französischem Dörflein: Sonntagnachmittag, alles geschlossen wegen Sonntag oder gar wegen Ferien. In einer Baar sitzen drei vier Franzosen… auch ich setz mich in den Schatten an ein Tischchen und bestelle ein kühlendes Bier…

Die Zeit verstreicht… ein paar mehr Gäste trinken ihren Aperitif… irgendwann kommt ein ewig Reisender, eine Mischung zwischen Clochard und Freak, immer unterwegs mal hier mal dort… auf alle Fälle setzt er sich mit seiner Gitarre in den Kreis der Männer in meiner Nähe, er scheint dort bekannt zu sein, alle grüssen ihn und es fallen die Sprüche, Witze von Männern, die sich jeden Tag hier zum abendlichen Tagesklatsch treffen… der Musikant fängt irgendwann an zu spielen und singen… er singt gut, bluesig-rockig, ein französischer Tom Waits, der aber auch ausgezeichnet englisch singt und spricht… wir nehmen Augenkontakt auf und bald sitzt er an meinem Tisch und wir tauschen uns aus und philosophieren bald über Freiheit… ein heftiger Regenguss unterbricht uns kurz… aber der ist bald vorübergezogen und wir sitzen wieder an unserem Tischchen… bald stösst ein Weiterer zu uns, er scheint den ewig Reisenden zu kennen… ist aber selber ein fast biederer Franzose… er holt seine Gitarre und spielt schöne französische Chansons… so spielen die zwei vor sich hin… und ich geniesse diese Stimmung… 150 m entfernt vom dichtesten Touristenrummel bin ich mitten im tiefsten Frankreich.

Es sind die Momente in denen ich meinen Fotoapparat stecken lasse… finde es schwierig diese Momente einzufangen… und wenn, müsste ich die Leute von nah fotografieren, dafür möchte ich besser reden können… gilt nicht nur für’s Französisch, wie mannfrau ja bemerkt fotografiere ich keine Menschen, eben deshalb und ich habe bisher noch keinen Weg gefunden im diese “Barriere” zu überschreiten… einfach so zu fotografieren finde ich schwierig…

Sitze lange dort in dieser Bar… vergesse darüber sogar das Abendessen… irgendwann um halb zehn mach ich mich auf in’s Hotel… lese noch eine Weile und schlafe dann aber bald ein.

et comme toujours… les photos

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