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Blois, wo Könige residierten…

In der Nacht kommt es, das heftige Gewitter. Ich erwache von den Donnern… es regnet in strömen und Blitz nach Blitz erhellt die Nacht draussen vor dem Fenster… wirklich heftig…

Erwache erst um 7:54… draussen regnet es noch leicht, der Himmel klärt aber bereits auf… halb zehn gehen wir frühstücken, inzwischen ist der Himmel schon wieder blau durchsetzt mit Wolken zwischen denen die Sonne hervorbrennt und die letzten nassen Stellen auf den Strassen verdunstet… die Luft dadurch feuchtwarm.

Ich entschliesse mich wieder, die noch 35 km nach Blois zu fahren. Beat wollte eigentlich heute weiter ans Meer, er war hin und her gerissen zwischen Mittelmeer und Atlantik, hat sich aber nun für den Atlantik entschieden, weniger weit und weniger heiss. Aber Blois und das Königsschloss möchte er doch auch noch sehen, also entscheidet er sich noch einen Tag zu bleiben und morgen weiterzufahren. Er wird sich Schloss Chambord anschauen, eines von diesen riesig grossen Loireschlössern…

Fahre zügig um halb elf los… schon nach einer halben Stunde erscheint bei Avaray am gegenüberliegenden Loireufer die “Centrale électrique de Saint-Laurent-des-Eaux”, schon wieder zwei Atommeiler. Mann o mann, die haben’s wirklich massiert hier im Loiretal, die 6 Millionen Einwohner von Paris wollen versorgt sein.

Heute kein Wind, dafür ist die Luft warmfeucht und der Schweiss läuft trotz tieferer Temperaturen von ca. 28 Grad. Ich überlege mir zum ersten Mal ob ich ein wenig Musik hören soll während des Fahrens, auf den Dämmen ohne Autoverkehr ja kein Problem… mach’s dann aber doch nicht. Die Stimmung will heute zum ersten Mal seit Tagen nicht so recht… Pegel ca. 7-8 …

Seit Orléans hat es übrigens mehr Velofahrer, es wird jetzt eindeutig touristischer. Velos können überall gemietet werden und so sind viele Eintagesfahrer unterwegs. Es wird auch kräftig geworben damit, wie schön es ist die Loire und ihre vielen vielen Schlösser mit dem Velo zu entdecken. Und das stimmt ja auch, es ist nach wie vor, auch wenn’s jetzt ein paar Leute mehr hat, wunderschön. Die Mietvelos sind übrigens sehr gut, auch für Touren mit Gepäck geeignet, ob sie reserviert werden müssen weiss ich nicht.

Bei Muides-sur-Loire muss ich mich entscheiden ob ich die Loire überqueren möchte oder auf der rechten Flussseite weiterfahren will. Obwohl es in Muides einen Kaffee gäbe entscheide ich mich für die rechte Seite… weiss auch nicht wieso… werde auch hier eine Bar finden und sonst ist auch Blois nicht mehr sooo weit entfernt.

Beim überqueren der Strasse fahr ich etwas knapp vor einem Auto durch… hupend rast er hinter mir vorbei, er hat Recht, ich hatte seine Geschwindigkeit eindeutig unterschätzt, er war schneller da als gedacht und ich langsamer mit Abfahren… aufpassen! Die Autos fahren hier auf den Landstrassen wirklich schnell, Beat erzählte, eigentlich darf ausserorts 90 gefahren werden, aber wenn er 90 fährt, wird er oft überholt… bin froh muss ich nicht Autofahren und radle gemütlich durch’s Land.

Mache einen kleinen Umweg über Suèvres, ein kleiner Ort mit wenigen von diesen einstöckigen Bauernhäusern… aber sie haben ihren ganz speziellen Reiz, diese kleinen Dörflein. Die Häuser oft liebevoll gepflegt und mit Blumen herausgeputzt. Und tatsächlich finde eine Bar/Tabac wo ich meinen Kaffee bekomme. Ein junges Paar aus der Schweiz sitzt schon da, sie erkunden mit ihren eigenen Velos die umliegenden Schlösser, sind aber fix auf dem Camping in Blois.

Fahre weiter am rechten Loireufer, vorbei an drei Schlössern, nicht öffentlich… auch hier wär vermutlich noch was zu holen für Monsieur Hollande. Der Weg jetzt wieder wunderbar einsam, schön im Schatten grosser alter Bäume.

Komme schon bald nach Blois… könnte mich gewöhnen an diese kurzen Etappen ;-)… Blois liegt an und auf Hügeln… trample also mit meinem Velo steile Gassen hoch… muss sogar stossen weil es mir mit dem Gepäck wirklich zu steil ist… auch diese Stadt wunderschön, dieses Frankreich ist einfach schön! Habe einen Reiseführer aus der Bibliothek Uster dabei in dem auch einige Hotels beschrieben sind… und einen Stadtplan auf dem sie verzeichnet sind… so fahre ich Eines nach dem Anderen ab… rauf und runter durch die Stadt und komme dabei ins Schwitzen, auch wenn’s nicht mehr so heiss ist wie in den vergangenen Tagen… schliesslich lande ich beim Letzten, “Anne de Bretagne”, in der Nähe des Bahnhofs und des ehemaligen Königsschlosses. Sieht schön aus mit seiner Efeuüberwachsenen Fassade und hat auch noch ein Zimmer frei, allerdings erst in einer Stunde bezugsbereit. Aber ich kann Velo und Gepäck dalassen und mich auf der Toilette ein wenig frisch machen… auch hier wieder sehr freundlich.

Habe ich mich beim durchfahren der Stadt entschlossen auch hier keinen Tag Pause einzuschalten und lieber morgen die 27 km nach Chaumont weiterzufahren. Aber Chaumont sieht klein aus und ich weiss nicht, ob’s dort ein Hotel hat… mannfrau hat wohl gemerkt, dass zur Zeit dass campieren nicht mehr so aktuell ist. Mit Beat war’s günstig(er), der Zimmerpreis ist (fast) der gleiche, allein oder zu zweit, aber geteilt. Und es ist schon schön bequem, vor allem wenn Gewitter vorhergesagt sind… und für die nächsten Tage sind immer wieder Gewitter und Regenschauern angesagt. Also, geht mann zum Schloss rüber, dass nicht weit ist, wo auch das Office de Tourisme ist und frage nach einem Hotel in Chaumont. Die junge Frau, wie immer äusserst hilfsbereit findet zwei und reserviert mir im Hotel de la Loire für morgen Abend ein Zimmer. Ausserdem frage ich sie noch für Beat wo mannfrau Briefmarken kaufen kann: im Tabac, wie in Italien oder auf der Post. Erkundige ich mich wieso in der Loire nicht gebadet wird: es ist verboten!.. aha… es ist sehr gefährlich, hat viele Strudel, die mannfrau offenbar unterschätz und auch bei tiefen Wasserstand sehr gefährlich sind… es ertrinken jedes Jahr dutzende in der Loire.

Danach setze ich mich in ein Gartenrestaurant unter die Bäume vor dem Schloss, wo es angenehm kühl ist. Beat hat sich inzwischen gemeldet und ist bereits in Blois, beschreibe ihm wo das Hotel ist und wo ich bin…

Nachdem er mir von seinem Ausflug nach Chambord erzählt hat, muss beeindruckend gewesen sein, lädt er mich noch zur Besichtigung des Schlosses ein… also machen wir uns auf… es ist beeindruckend, vor allem wie die verschiedenen Baustiele nebeneinander: ich weiss den ersten Stiel schon nicht mehr, aber ein Flügel ist im Renaissance, der andere Klassizistisch… innen, na ja, halt all die grossen eingerichteten Räume, Säle, Schlafzimmer ect ect… mannfrau könnte sich natürlich stundenlang hier aufhalten, alles lesen und studieren… wirklich schön ist das Treppenhaus im Renaissanceteil und die Aussicht auf die Dächer von Blois von der Schlossterrasse aus.

Plötzlich habe ich genug… eine Überdosis von Eindrücken… muss dringend ins Hotel, das Zimmer inzwischen schon lange bezugsbereit… nach einer Dusche fühle ich mich wieder besser und da das Zimmer unter dem Dach ist und dadurch relativ warm, gehen wir in die Stadt runter…

Der Apéro, immer noch meist ein Bier bei diesen Temperaturen, gehört inzwischen zum festen Bestandteil des Tagesablaufs… danach finden wir auch heute eine Brasserie wo ich einen feinen Salade César mit Frites esse, dazu ein Glas Rosé…

Am Nachmittag hatten wir von der Schlossterrasse den Soundcheck auf einer Bühne unten in der Stadt gehört. Neugierig machen wir uns nach dem Essen auf den Weg dorthin… viele Leute, vor der Bühne auf einem Platz mit riesigen Bäumen… als wir ankommen spielt gerade die Vorgruppe ihr letztes Stück… sehr elektronisch, aber wirklich gutes Schlagzeug und Bassgitarre, der Rest wird elektronisch gemacht… weiss nicht wie diese Instrumente heissen. Und dann kommt offenbar die Gruppe, auf die alle gewartet haben: Fauve. Anscheinend ist die Gruppe in Frankreich berühmt… übrigens ist das Konzert gratis (wie war das mit dem Brot und den Spielen?). Viele elektronische Geräte, ich kann nur eine elektrische Gitarre und eine Bassgitarre identifizieren… der Rest, elektronische Geräte, die ich nicht benennen kann… auch das Schlagzeug. Französischer Rap, leider verstehe ich kein Wort, so schnell wie der Sänger rappt… wirklich guter Rythmus, guter Sound, perfekt gemischt… aber es reisst mich einfach nicht mit… dazu ist das Ganze begleitet mit wirklich gut geschnittenen Videos….

et comme toujours… les photos

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