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Die Führung behalte… ICH ;-)

Unser Ziel heute: Rigny-Ussé… ca. 40 km, nicht viel aber mehr als ich die vergangenen Tage gefahren bin, ausserdem möchte ich Sibylle nicht gleich zuviel zumuten ;-)… habe gestern noch ein Zimmer in einem Hotel reserviert, da es dort nur ein Hotel gibt. 

Seit fast drei Wochen bin ich heute also nicht mehr alleine unterwegs. Nach dem Frühstück im Hotel fahren wir aus Tours raus. Wir benötigen einige Zeit bis wir endlich die letzten Ausläufern der Stadt hinter uns gelassen haben… aber dann endlich haben wir’s geschafft und der Weg führt wie gewohnt wunderbar durch Felder und für einige Kilometer noch nicht der Loire, sondern dem Cher entlang, einem Zufluss zur Loire, der dann kurz nach Villandry in die Loire mündet. Der Himmel, entgegen den Voraussagen bedeckt und grau, dafür ist es angenehm kühl.

Ich geniesse es nicht allein meinen Gedanken nachzuhängen sondern mich über das Sehende austauschen zu können.

In Villandry steht natürlich, wie fast in jedem Ort hier, ein Schloss, dass irgendein Minister irgendeines Heinrichs oder Louis erbauen liess, und wir entscheiden uns für eine Besichtigung, schliesslich ist es noch früh und wir haben Zeit. Villandry ist berühmt für seine Gärten und so lösen wir nur eine Eintrittskarte für die Gärten und schenken uns die Innereien des Schlosses. Obwohl erst zehn Uhr, sind schon viele Touristen unterwegs… die Gärten sind einen Besuch wert… auch wenn ich nicht viel davon verstehe und mir die “unberührte” Natur besser gefällt bin ich doch beeindruckt… übrigens war ich vor ungefähr 35 Jahren schon mal mit meinen Eltern hier… mann wird älter (nicht alt!!!)… 10 vollamtliche Gärtner sind hier ganzjährig zur Hege und Pflege angestellt… Inzwischen hat sich der Himmel aufgeklärt, die Sonne ist dabei die letzten Wölkchen zu verbrennen.

Nach so viel Garten brauche ich doch meinen Café au Lait, mal sehen ob ich Sibylle von dieser Gewohnheit überzeugen kann… 

Dann weiter… ich seh schon, die Durchschnittsgeschwindigkeit wird leicht sinken, trotz meinen vielen Fotostopps hab ich mir doch ein flottes Tempo angewöhnt… Sibylle fährt langsamer, dafür stetiger und könnte vermutlich den ganzen Tag fahren… na ja… mal sehen…

Um eins sind wir in Langeais… und Sibylle möchte gerne eine Pause einlegen, ich würde jetzt die 10 Kilometer noch durchfahren, das Hotel beziehen, dann entweder im Hotel oder irgendwo im Schatten ein Nickerchen halten und den Nachmittag mit Nichtstun verbringen, wie ich’s gewohnt bin… ABER ich bin nicht mehr alleine… so ist das nunmal… jetzt ist Flexibilität gefragt, natürlich nicht nur von mir… aber wir werden uns schon aufeinander einstimmen… und es gefällt uns beiden, diese Art des Reisens also sind die Voraussetzungen gut.

Sibylle hat ein Schild mit dem Hinweis auf ein Piscin gesehen. Ich hatte sie schon darauf vorbereitet, dass die Badekultur hier nicht so verbreitet ist. Die Franzosen Fischen und Picknicken, aber Baden sieht  mannfrau sie eher selten… jä nu, jeder muss seine Erfahrungen selber machen. Also über die Brücke nach Langeais und dem Schild “Piscin” folgen… nach 1 km, 2, 3 schliesslich nach fast vier Kilometern, in der inzwischen doch ziemlich heissen Mittagssonne, an der Dorfausfahrt finden wir das Schwimmbad. Weder Autos noch Velos davor, was ja schon mal seltsam ist. Trotzdem stellen wir unsere Fahrräder in den Schatten (was ein lächeln bei Sib hervorruft aber ich überzeuge sie, dass auch das Velo seine wohlverdiente Ruhe im Schatten braucht) und kramen unser Badezeug aus den Satteltaschen. Zwei Damen stehen an der Kasse, Sibylle möchte für zwei Erwachsene bezahlen… ABER die Badi öffnet erst um 14 Uhr! Jetzt ist es erst vierte nachl eins… hmmm… Sib kann es kaum glauben… na ja sie möchte nunmal eine Pause und so legen wir uns in den Stadtpark daneben. Nach einem kurzen Schock, Sib denkt sie habe ihr ganzes Geld in Tours im Hotel vergessen… es dann aber doch findet nachdem sie die ganzen Satteltaschen durchsucht… ist es dann auch schon 14 Uhr und wir gehen doch noch in die Badi. Links die Frauen, rechts die Männer, wie bei uns. Die Dame reicht mir ein rotes Plastikgestell mit einem Korb dran… ich schaue sie mit Fragezeichen in den Augen an… und sie erklärt mir lächelnd wie das geht… umziehen, die Schuhe werden in das Plastikkörbchen gelegt, die Kleider an dem Gestell aufgehängt und das Ganze gibt mannfrau dann zur Aufbewahrung ab… aha, also gut, ziehe mich also um, und gebe ihr gleich noch die Satteltasche und meine Lenkradtasche mit allem drin, dann hab ich Ruhe und ich denke diesen französischen Landdamen kann ich vertrauen. Gehe mit meinen Badeshorts raus und… da kommt auch schon der Maître Nageur auf mich zu und sagt so gehe das nicht… verstehe ihn nicht ganz, also das Baden mit meinen Badeshorts sei verboten?????? Wieso das… na ja, klärt er mich auf, wegen der Hygiene, die Jungen behielten unter den Shorts alles an und das nicht hygienisch… OK, denk ich, dann bad ich eben nicht… aber er könne mir eine Badehose auslehnen… also ziehe ich mir diese engen Badehösschen eben an… NEIN, keine Fotos!!! Die Einheimischen liegen alle auf dem Betonboden rund um’s Bassin und wir legenuns auf die ca. 25 x 25m kleinen Wiese, immerhin mit schattenspendendem Baum in der Mitte.

Nach dem Schwumm fahren wir bald weiter, vorbei am Schloss Langeais, wieder auf die andere Flussseite und weiter der Loire entlang. Einem Restaurent/Bar/Tabac/Brasserie/Hotel direkt am Fluss in Bréhémont können wir nicht widerstehen und setzen uns unter die Bäume an den Fluss und geniessen…

Die letzten 6 Kilometer nach Rigny-Ussé sind schnell zurückgelegt und wir beziehen ein munzigkleines Zimmer in einem liebevollst hergerichteten Hotel. Trotz Enge ist die Dusche erfrischend… ein Apéro im Hotel… ein frühabendlicher Spaziergang entlang dem L’Indre (schon wieder ein kleiner Zufluss zur Loire), dass Abendessen in der “Saladerie”, nicht umwerfend aber bei diesem Wetter verzeihen wir alles… und dann bald ins Bett… die unendlich vielen Bilder eines Velotages bei traumhaften Sommertagen in einer paradiesischen Landschaft machen zufrieden aber auch müde….

et comme toujours… les photos

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Frau Lehrerin ohne Helm auf dem Fahrrad – aber auch, was für ein mangelbehaftetes Vorbild! Wenn das nur ihre SchülerInnen und ihr Bruder nicht sehen…!

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