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13. Juli 2015

Montagmorgen in Paris. Wir können angenehm ausschlafen – kein Stress, schliesslich sind Ferien. Am Boulevard Edgar Quintet, ein schöner kleiner Boulevard mit einem breiten nicht befahrbarem Mittelstreifen mit Bäumen, wo jeweils ein Markt stattfindet, finden wir – natürlich – ein Bristro und trinken unseren Café au Lait 😉 und geniessen unser Croissant. Der Himmel bedeckt – für mich irgendwie Pariser Wetter, ein leichter Wind… wie oft erlebt im Pariser Becken.

Gare Montparnasse, der Lift richt übel nach Kotze, nächstes Mal nehm ich die Rolltreppe… wieder im Wagen 11, Veloabteil – sind alle gleich diese TGV’s. Wieder die Einzigen zwei mit Velo… diesmal hat’s noch 3 andere Reisende, aber angenehm dösen alle vor sich hin während der Zug wieder mit ich weiss nicht wie vielen Km/h’s durch die Landschaft jagt… wieder Weizen, Weizen (diese Baguettes brauchen einfach unheimlich viel Weizen), Mais, Wiesen, Weizen, Weizen, Wälder und Dörfer. Gehalten wird nur in Nantes, wo wir vor zwei Jahren unsere Reise beendet hatten, hatte uns damals sehr gefallen und kurz überlegen wir dort auszusteigen – aber nein… nur noch 20 Minuten dann kommt St.Nazaire. 2 3/4 Stunden und wir sind dort…

St.Nazaire, eine Hafenstadt… sei nicht’s Spezielles hatte ich gehört… bei der Einfahrt mit dem Zug sind wir schon an einigen Raffinierien vorbeigefahren… aber so übel ist es gar nicht, gefällt uns eigentlich ganz gut… nach der anstrengenden Zugfahrt (schliesslich ist Geschwindigkeit anstrengend, mindestens für den Geist) genehmigen wir uns ein Sandwich respektive einen Salat. St.Nazire: keine alte französische Stadt, aber doch recht angenehm, alles neuere weisse einfache Häuser in der Innenstadt, vielleicht war wohl so einiges kaputt nach 1945… denn muss wohl was Grösseres hier gewesen sein. Am Hafen stossen wir auf eine riesige Bunkeranlage – wirklich gross!! – zum Teil heute Museum – hier lagen offenbar U-Boote während des zweiten Weltkrieges und auch schon während dem ersten Weltkrieg muss hier ein grosser Militärhafen gewesen sein, wie ich so schnell im durchfahren auf grossen Fotos sehe…. Wir wollen aber weiter, über die Pont St.Nazaire nach St-Brevin-les-Pins. Diese Brücke, über die wir vor zwei Jahren eben nicht gefahren sind, war 1975 die grösste Schrägseilbrücke der Welt. Heute führt kein Weg daran vorbei, gibt nur diesen Weg um über die Loiremündung ans andere Ufer zu kommen. Und…. wow… ist also ein Abenteuer!! Durch den Hafen von St.Nazaire nähern wir uns der Riesenkonstruktion, neben uns viel Verkehr, da Hafen auch grosse Lastwagen… rechts eine Werft, riiiisiege Kräne… zwei niegelnahtneue grosse Kriesschiffe liegen da, mit Kyrillischen Schriftzeichen… für Russland? Apropos, was ist übrigens mit diesem Flugzeugträger geworden, den französische Werften für Russland gebaut haben… war mal kurz ein Theme anfangs Ukrainekrise und Krimhalbinsel-Annexion… aber dann ist es ganz schnell aus allen Zeitungen verschwunden. Mehr als eine Milliarde ist viel Geld, wenn das nicht geliefert werden kann!!??

Aber eben die Brücke… schliesslich stehen wir davor… viele Autos, kein richtiger Velostreifen aber der Veloweg führt eindeutig über die Brücke, keine Verbotsschilder. Doch wir zögern… fahren dann aber doch los. Geht steil hoch – im ganzen ist die Brücke 4km lang, die Fahrbahn am höchsten Punkt ist 67m über dem Meer… also hoch… der Wind geht recht stark und wird stärker je höher wir kommen und je mehr wir über der breiten gegen den Atlantik hin offen Loiremündung sind… neben uns der Verkehr, in unserer Richtung einspurig, in die entgegengesetzte Richtung zweispurig… der Wind wird immer stärker, kommt vom Atlantik her und bläst uns voll in die Seite, wir müssen richtig dagegensteuern und immer wenn er nachlässt machen wir einen Schlenker nach links in die Fahrspur hinein… wenn ein grosser Lastwagen vorbeifährt wird’s mir richtig mulmig… oben auf der Brücke müssen wir absteigen und stossen, der Wind ist wirklich zu stark… wow 😯!! Nach einer gefühlten Ewigkeit sind wir über die Brücke und es geht wieder hinunter… immer noch langsam, der Wind bläst hier fast stärker… aber dann haben wir’s endlich geschafft… riesige Brücke, grossartig!! aber war etwas heikel mit dem Velo… ein Abenteuer 😊…

Jetzt geht’s nur noch zwei, drei Kilometer bis St-Brevin-les-Pins, wo wir “mal luege” wollen… glaube weiter möchten wir nicht mehr… schliesslich der erste Tag und nach dieser Brückenfahrt sind wir richtig erschöpft… zum Teil auf der Uferpromenade, zum Teil zwischen den Ferienstrandhäusern durch, gelangen wir nach St-Brevin und entschliessen uns endgültig zu bleiben. Wir fahren direkt zum Office de Tourisme, damit hatte ich ja schon gute Erfahrungen gemacht. Und wirklich, die junge Dame organisiert uns innert Kürze ein Hotelzimmer in einem „Logis de France“-Hotel Le petit Trianon.

Das Hotel schnell gefunden in dem kleinen Ort… wir beziehen das Zimmer mit Balkon und sogar Meeresicht über die Dächer von St-Brevin. Ausgepackt und umgezogen fahren wir noch an den breiten langen Sandstrand, das Meer auf dem Rückzug… wir legen uns in den Sand… Sibylle natürlich gleich ins Wasser, allerdings nur kurz… ich brauch wohl noch einen Tag um mich an Alles zu gewöhnen, wie immer nicht der Schnellste 😀… ein einstündiger Spaziergang dem Meer entlang, die Sonne steht schon tiefer, schönes Licht… dem ganzen Meer entlang liegen überall grosse Quallen, dutzende, wenn nicht Hunderte, wirklich alle zwischen 50cm und einem Meter im Durchmesser, ob die wohl nicht brennen? Die Menschen scheint’s nicht zu stören. Sind irgendwie gruslige Viecher… angeblich die Mehrheit der zukünftigen Meereslebewesen, je wärmer das Wasser desto wohler fühlen sie sich, wird geschrieben… trotzdem ist es wunderschön, die Möwen auf den aus dem Meer erscheinenden Sandbänken… in der Ferne Kit-Surfer, sehen elegant, schnell und spannend aus… die für diese Gegend typischen Fischerhäuschen auf stelzen mit ihren Netzen, die bei Flut ins Wasser gelassen werden…

Abendessen drinnen, da der Wind stark bläst aber mit Blick auf’s Meer….

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