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Avignon – Saintes-Maries-de-la-Mer / Tage 19 – 21

Avignon – Saintes-Maries-de-la-Mer / Tage 19 – 21

17. – 19. Juni 2019

Tag 19: 17. Juni 2019 / Avignon – Arles (65 km)
Während der vergangenen 2, 3 Tage habe ich mich entschlossen noch ans Meer zu fahren, wenn schon nicht an den Atlantik, dann wenigstens an’s Mittelmeer. Erst wollte ich Richtung Sète fahren, da das ja am ursprünglichen Weg an den Atlantik lag. Doch dann, wieso nicht Saintes-Maries-de-la-Mer? Natürlich kenne ich die Gegend ziemlich gut, war ich bestimmt schon 10 Mal in Arles und mehrere Male in der Camargue. Trotzdem… schön ist es… und es liegt näher, wenn ich an die anschliessende Heimfahrt denke. So fahre ich früh = halb acht in Avignon ab, der Tag soll heiss werden. Der Mistral hat sich wie versprochen gelegt. Die Stadt noch ruhig und kühl, nur die Einheimischen, die zur Arbeit gehen oder fahren. Fahre über die Pont Daladier und sehe in der noch tief stehenden Sonne knapp die berühmte Pont d’Avignon und den Papstpalast. Auf ruhigen Quartierstrassen, allerdings parallel zur Hauptstrasse, fahre ich Richtung Aramon. Komme unter zwei beeindruckenden Eisenbahnbrücken durch. Wahnsinn, was wir da alles aufstellen nur um uns schnell von A nach B zu bewegen. Weiter der Rhône entlang und (leider) meist der lauten Hauptstrasse entlang… aber immerhin auf getrennten Wegen immer mit einem Abstand von 50 bis 100 Metern. Aramon, ein hübsche klassisches südfranzösischen Dörflein, mit der üblichen Hauptstrasse gesäumt von grossen Pappeln, die Schatten spenden. Auf dem Hauptlatz nehme ich… wie immer… inklusive Croissant und Pain au Choc in der Boulangerie gekauft. Danach pedale ich weiter durch Kornfelder und Weinfelder (Berge sind es ja nicht). Zweimal kreuze ich die TGV-Strecke auf denen die Züge so schnell vorbeirauschen, dass ich nicht zum fotografieren komme 😉. Erreiche Monfrin, ein weiteres sehr hübsches kleines Dörfchen beherrscht von seinem Schloss auf dem Hügel. Fahre hoch, das Riesenhaus ist jedoch Privatbesitz – kein Zugang möglich. Die Aussicht trotzdem schön. Rolle dann wieder runter und durch das Dörfchen. Weiter geht’s auf einer Voie Verte Richtung Beaucaire/Tarascon. Die Voie Verte soll, wenn fertig von Beaucaire bis nach Uzès führen, vorbei am Pont du Gard – wär eine schöne Strecke. Auch Beaucaire bekannt… Eingangs Dorf komme ich an der Arènes de Beaucaire vorbei, fehlt in keinem grösseren Dorf/Städtchen in Südfrankreich um Arles und die Camargues. Im Schatten der Pappeln auf der Place Georges Clémenceau trinke ich eine Cola… es wird heiss heute. Fahre trotzdem weiter Richtung Arles… langsam wird die Landschaft sehr flach – also absolut flach. Die Felder gesäumt von Bewässerungskanälen deren Ränder von Schilf bewachsen sind, wie in der der Camargue und eben um Arles herum. Irgendwann huscht eine Kanalratte (Bisonratte) vor mir über die Strasse. Es ist bereits eins und die Hitze drückt langsam so richtig… zum erstan Mal seit ich unterwegs bin. Suche lange vergebens nach einem Schattenplätzchen um meinen Carefours-City-Linsen-Kichererbsen-Feta-Salat zu essen. Die einzigen Schattenplätzchen sind immer bei Gehöften, traue mich nicht so recht dorthin. Dann halte ich doch unter zwei riesigen Pappeln, die den Eingang zu einem grossen Gehöft mit Chambre d’Hôtes bilden. Danach die letzten Kilomter nach Arles in grosser Hitze… aber natürlich schaffe ich es. Über die grosse Brücke mit der Haupteinfallsstrasse fahre ich unter der Brücke. Sie haben unter der Strasse einen Breiten Gang für Fussgänger und Velofahrer angelegt. Gleichzeitig dient er allen möglichen Wasser-Gas-Elektischen-Leitungen als Überführung der Rhône. Bin noch etwas früh für das Airbnb-Zimmer, dass ich bei Marie C. reserviet habe und setze mich mit einem Mineral auf einen kleinen Platz auf eine Bank im Schatten. Marie C. empfängt mich sehr freundlich… das Haus im Südfranzösichen Stil, Erdgeschoss sehr grosse Stube und Küche, im ersten Stock dann mein Schlafzimmer, das Badezimmer und das WC. Ich glaube ich schlafe in ihrem Schlafzimmer. Denke, das gibt es oft, das die Leute ein Zimmer vermieten für einen Zustupf und gleichzeitig auch Gesellschaft. Bin recht geschafft und schlafe ein Stündchen bevor ich dann durch Arles ziehe. Wunderschönes Abendlicht. In der Cocolino Bar mein obligates Bier trinke und dann gleich auch dort einen wirklich, wirklich frischen Salade Camarguaise esse. Im Restlicht der untergehenden Sonne mache ich mich dann auf den Heimweg durch die inzwischen von Touristen beruhigten Gassen.

Tag 20: 18. Juni 2019 / Arles – Saintes-Maries-de-la-Mer (53 km)
Da es auf dem ganzen Weg bis Saintes-Maries keine Verpflegungs-möglichkeit gibt gehe ich um halb 8 in ein Hotel, dass das Petit Déj auch externen Gästen anbietet und esse gemütlich z’Morge mit Früchten, Tee und natürlich auch Viennoiseries. Danach bin ich schnell aus Arles raus. Wiederum auf der Brücke, unter der Brücke. Kurz einer grossen Rue National entlang, mit Helm fühle ich mich jetzt da einfach sicherer.  Dann geht’s auf Nebensträsschen durch die Camargue Richtung Etang de Vaccarés. Auf der Karte gesehen fahre ich rechts von der Grand Rhone gerade hinunter. Am Anfang noch durch landwirtschaftliche Felder, viel Getreide aber auch Reis!, was ja auch ein Getreide ist, durchzogen von den Bewässerungskanälen gesäumt von Schilf. Erreiche den Etang de Vaccarés, der grösste der vielen grossen und kleinen Etangs, die zum Teil Wasser haben zum Teil aber auch schon ausgetrocknet sind. Ab jetzt gehts durch diese ganz spezielle Landschaft der Camargue voller Etangs und, falls genügend Wasser, auch voller Sümpfe. Glücklicherweise bläst ständig ein Südwind, der das Pedalen etwas mühsamer macht, aber zusammen mit dem Fahrtwind die Mücken vertreibt. Jedesmal wenn ich stehenbleibe sticht mich eine von diesen mühsamen Insekten. Schliesslich geht’s auf Dämmen zwischen zum Teil ausgetrockneten Etangs Richtung Phare de la Gacholle. Es ist eine eindrückliche und einmalige Landschaft. Die gleiche Strecke bin ich 2012 (oder so) schon einmal mit Sibylle gefahren. Danach geht’s auf einer unbefestigten Strasse, Autos verboten 🤪, nur für Fussgänger und Velofahrer, ungefähr 16 km auf einem Damm bis Saintes-Maries-de-la-Mer. Rechts die Etangs links Sanddünen und das Mittelmeer. Eine einmalige Strecke! Bin nicht ganz allein, in Saintes-Maries haben sie natürlich das Potential entdeckt und vermieten Velos und E-Bikes… trotzdem, so viele Menschen sind es dann doch nicht… und es bleibt eine landschaftlich wunderschöne Strecke. Das mitgenommene Mittagessen, wieder Linsen-Salat von Carrefour-City geniesse ich am Strand. Bin dann doch recht geschafft von der Sonne und vom Wind als ich um viertel vor drei in Saintes-Maries ankomme. Erleide einen furchtbaren Stimmungsumschwung. Die Touristen und die Hitze erschlagen mich geradezu. Suche vergebens nach Schatten. In meiner Erinnerung gibt es einen Platz mit Bäumen, wo Boule gespielt wird, aber entweder ich finde ihn nicht oder sie haben die Bäume gefällt oder meine Erinnerung stimmt nicht. Setze mich schliesslich in eine Bar unter einen Sonnenschirm. Habe via Airbnb ein Studio gemietet – mitten in Saintes-Maires. Aber Carmen, die Vermieterin ist erst um 4 da. So muss ich warten. Aber ich habe Glück, 20 nach 3 meldet sie sich schon, sie sei nun doch schon hier und wenn ich wolle…. Ich will und suche sie in der Avenue Frédéric Mistral – Schreck 😳, diese Avenue ist mitten drin, gesäumt von vielen Restaurants. Aber das Studio ist ziemlich am Anfang, nur ein Glacéstand vis-a-vis und unten im selben Haus ein Kleiderladen. Carmen freundlich aber reserviert etwas ungeübt, sie ist noch nicht lange auf Airbnb. Das Studio alles niegelnagelneu renoviert. Also alles OK und meine Stimmung hebt sich langsam wieder. Übrigens, das mit der Avenue tönt wahnsinnig aber ist halb so wild wie es tönt. Wer schon mal in Saintes-Maries war, weiss, dass es nur 2 höchstens 3-stöckige Gebäude gibt – die meisten aber nur 2-stöckig – in ganz Saintes-Maries. Mit Ausnahme der romanischen Notre Dame de la Mer, wo mannfrau auf’s Dach steigen kann und dann rund um auf die Dächer von Saintes-Maries sieht. Saintes-Maries ist nicht nur ein Wallfahrtsort für Touristen sondern auch ein echter Wallfahrtsort. Ende Mai findet die Wallfahrt der heiligen Sara, die Schutzheilige der Gitans statt. Es sind dann meist spanischstämmige Romas die zu Scharen nach Saintes-Maries pilgern. Langsam komme ich wieder ins Gleichgewicht, draussen die Touristen – es sind schon viele – aber noch ist  keine Hochsaison und so hält sich das Ganze noch in Grenzen. Zum z’Nacht – das darf nicht fehlen – gibt es einen leckeren Fisch mit Gemüse und Camargue-Reis.

Tag 21: 19. Juni 2019 / Pause in Saintes-Maries-de-la-Mer
Das heisst ist eigentlich keine Pause sondern das Ende meiner Tour – oder fast das Ende. Morgen geht’s zurück nach Arles und von dort nehme ich den Zug nach Avignon, Übernachte nochmal und fahre dann am Freitag Heim. Wollte erst früh aufstehen und ans Meer, ganz alleine vor allen Touristen, aber morgens um 6 hat der Wind vom Meer her so kräftig geblasen, eigentlich gestürmt, dass ich mir erlaube liegenzubleiben bis die Sonne etwas höher steht. Erfahrungsgemäss legen Winde wenn die Sonner höher steht, da wärmere Temperatur und sich die Winde dann ändern – abschwächen oder auch stärker werden. Wird neun, bis ich den Fuss auf die fast menschenleere „Avenue” setze… an der Place d’Eglise sehe ich ein Paar im Schatten einer Pappel gemütlich frühstücken, dem kann ich nicht widerstehen. Heute keine Viennoiserien, aber frisches knuspriges Brot! Danach laufe ich vier Stunden dem Meeresstrand entlang – könnte den ganzen Weg, die ganzen 16 km, die ich gestern vom Phare de la Gacholle her gefahren bin, alles dem Strand entlang laufen. Das lasse ich aber dann doch… setz mich lieber hin und gehe ganz kurz baden – das Meer aber ziemlich kalt – und recht bewegt für’s Mittelmeer. Hat wegen dem immer noch kräftigen Wind immer noch ziemlich Wellen. Zwei, dreimal kommen Reiter auf den berühmten Camargue-Pferden vorbei. Kann jeder machen… mannfrau braucht also nicht reiten zu können. Habe das selber auch schon gemacht als ich mit meinen Töchtern 2 oder 3 Mal eine Woche jeweils im Herbst bei St.Gilles auf einem Camargue-Reiterhof verbracht habe. Bin dort tatsächlich jeden Tag geritten – und jeweils ein Tag nach Saintes-Maries für eine Reittour durch die Etanges und am Meer entlang. Es ist wirklich ein sehr eindrückliches Erlebnis auf einem Pferd am Strand zu reiten. Ein Reiterpaar beobachte ich die allerdings wirklich Reiten können, sehe ich am Galopp und die Pferde gehen mit ihnen weit ins doch sehr aufgewühlte Meer. Das braucht dann schon Reitkünste und auch ein Vertrauensverhältnis vom Pferd zum Reiter. Erfahrungsgemäss schrecken die Pferde nämlich vor den Wellen zurück. Am Nachmittag mache ich Siesta, könnte mich daran gewöhnen… und am Abend wieder Fisch. Auch wenn meine Gedanken immer noch ab und an Kreisen, merke ich doch, wie ich in den vergangenen drei Wochen ruhiger geworden bin. Das Pedalen hat etwas meditatives und wirkt beruhigend auf mich.

Fotos… manchmal fällt mir die Auswahl schwer….

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