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Morgennebel, platter Hinterreifen und 10’000 Cyclistes…

Heute Sonntag möchten wir bis Nantes oder kurz davor fahren, wir müssen nicht unbedingt in die Stadt Nantes, da wir am Dienstag in einer Woche von Nantes über Paris nach Zürich fahren und bereits am Montag in Nantes sein müssen, da unser Zug morgens um 6:30 Uhr in Nantes abfährt… ja! jetzt neigt sich meine Reise langsam dem Ende entgegen, bald bin ich am Atlantik, das Ziel meiner Tour…

Heute starten wir wieder früh um 7 Uhr in Ingrandes… wir wachen auf, schauen aus dem Fenster und denken es sei schlechtes Wetter, aber das täuscht. Es liegt einfach dichter Nebel über der Loire. Wir holen unsere Fahrräder aus der Garage des Hotels und beladen sie… lange Hosen und Softshelljacke schützen vor der kühlen und vor allem feuchten Luft… der Nebel hat etwas Mystisches… ganz schwach erahnt mannfrau bereits den blauen Himmel über dem Grau… aber vorerst fahren wir in den dichten Nebel hinein… trotz oder gerade wegen dem Nebel ist auch dieser Morgen wunderschön… hinter uns geht die Sonne auf und löst mit ihren wärmenden Strahlen den Nebel langsam auf… rechts tauchen immer wieder Kühe verschwommen im Nebel auf… dazwischen viele Fischreiher… Sibylle entdeckt in einem Teich eine Biberfamilie…

Bereits nach etwa 12 Kilometern, in St-Florent-le-Vieil, hat die Sonne den Nebel aufgelöst und der Himmel ist strahlend blau und es kündigt sich nochmals ein richtig heisser Tag an…

Vor neun überqueren wir bei Ancenis die Loire und finden gleich nach der Brücke ein Kaffee mit ungewöhnlich leckeren Croissants ;-)… 

Weiter führt uns der Weg unterhalb Bahnlinie entlang, die hier für einige Kilometer der Loire entlang führt… wir haben etwas mehr als die Hälfte der 9 Kilometer nach Oudon zurückgelegt, dem nächsten etwas grösseren Ort, als Sibylle plötzlich bremst, stutzt und… “ich glaub ich han en Platte”… tatsächlich, ihr Hinterreifen ist platt :-( … beim nächsten schattigen Platz packt sie also ihren Ersatzschlauch aus, ABER sie hat den Schlauch mit dem falschen Ventil eingepackt, das Ventil passt nicht durch den Felgen… hmmm also flicken ABER zum flicken müsste mann den Schlauch aufpumpem um zu sehen wo er Luft verliert… aber MANN hat keine Pumpe!!!! JA! Auf grosse Velotour ohne Pumpe!! Bitte keine Kommentare… ich hab schon oft daran gedacht, zuletzt am Montag vor der Abfahrt im VeloPlus in Wetzikon… aber irgendwie organisier mir dann schon was, dachte ich damals… na ja, meine nächste Anschaffung: eine Pumpe für die Pumpe ;-)…  Gleich das nächste vorbeifahrende Paar hat eine Pumpe und wir pumpen den Schlauch, soweit dies mit diesen Notpumpen geht, wieder auf, in der Hoffnung es hält vielleicht bis Oudon…

Wir fahren weiter aber schon nach wenigen hundert Metern ist die Luft wieder draussen. Da Sibylle wegen ihres Knies Mühe mit Laufen hat, biete ich ihr an das Velo zu stossen und sie kann auf Meinem fahren… ganz Gentleman ;-)… bis Oudon sind es noch etwa 3 oder 4 km, also rund eine Stunde zu Fuss, dort schauen wir mal und können im Notfall den Zug bis Nantes nehmen und morgen Montag den Schlauch ersetzen… kurz vor Oudon kommt ein junger Mann vorbei, der uns anbietet, den Schlauch zu flicken. Er habe Alles dabei, na wieso nicht. Er ist ein nervöser “Zappelphillipp”, aber zusammen finden wir das Leck, er flickt es und dann pumpt er mit seiner Notpumpe den Schlauch wieder auf… aber plötzlich, vor lauter nervösem “Hauderi” bricht das Ventil… trotzdem, es sollte halten bis Oudon…

Schon das vorhergehende Paar hatte uns von einem grossen Veloanlass in Oudon erzählt und wir würden dort sicherlich, trotz Sonntag, Hilfe finden. Tatsächlich, am Dorfeingang von Oudon, auf dem üblichen Fussballplatz, sehen wir hunderte von Velofahrern, wie hier üblich alle in Velokleidung, als wär’s die Tour de France. Überrascht und erstaunt mischen wir uns in dieses Getümmel und finden tatsächlich einen jungen Velomech, der den Schlauch in 5 Minuten wechselt… SUPER!!!… und für das Ganze verlangt er 5.50 Euros, den Preis des neuen Schlauchs… seine Arbeit sei gratis. Ausserdem werden wir aufgeklärt, was das hier soll: In Nantes findet die kommende Woche, heute ist der erste Tag, die 75. Nationale Woche der Velofahrer statt. 10’000(!!!!) Velofahrer treffen sich jährlich für eine Woche an einem anderen Ort in Frankreich und fahren täglich von diesem Ort aus verschiedene Touren. Wunderbar!!! Aber immerhin Velofahrer! Schlimmer wären 10’000 Blechbüchsenfahrer!!!

Nur, wenn zusätzlich 10’000 Velofahrer ihre Zelte in Nantes aufschlagen finden wir bestimmt keinen Schlafplatz. Also ab über die Loire in’s nächste Office de Tourisme in Champtoceaux, liegt allerdings hoch auf einem Hügel und wir müssen uns beeilen damit wir vor 12 Uhr dort sind… immer umgeben von  unzähligen Velofahrern, da ihre Route hier durch führt…

Die äusserst hilfsbereite Frau auf dem Touristenbüro, ich erwähne nicht mehr, dass sie jung und hübsch ist, da das ja daran liege, dass ich alt bin (wie gewisse Leute meinen) findet tatsächlich in Thouaré-sur-Loire noch ein Hotel für uns. Eigentlich am Sonntag geschlossen erhalten wir aber den Code für den Nachtzugang… das Zimmer No. 15 sei offen, der Schlüssel liege im Zimmer….

Wir haben wirklich Glück… zuerst der geflickte Pneu, den wir dank all diesen Velofahrern auch noch ersetzen können und jetzt haben wir auch noch ein Hotel trotz all diesen Velofahrern. Wir mischen uns nochmals unten am Fluss unter das Getümmel und amüsieren uns an einer historischen Tanztruppe. Bald haben wir genug, kaufen uns im SuperMarche, der anlässlich des speziellen Anlasses am Sonntag offen hat, etwas zum Essen und fahren auf unserem Weg weiter, der glücklicherweise nicht Teil der Route der 10’000 Cyclistes ist und so sind wir bald wieder zurück in der Einsamkeit. Da es bis Thouaré nur noch 18 Kilometer sind lassen wir uns Zeit und picknicken ausführlich an einem einsamen Loirearm.

Danach sind wir dann bald in Thouaré, ein sonntäglich verschlafener Vorort von Nantes… wir suchen sicherlich eine Stunde nach diesem Hotel… fragen diverse Leute… und finden es schliesslich 4 Kilometer ausserhalb… eben ein typisches Blechbüchsenfahrerhotel, für die sind 4 Kilometer kein Thema… aber immerhin, ein Hotel, tipptopp, sogar mit einem schönen Innenhof, ein Patio, wie bei römischen Villen, fehlt nur noch der Springbrunnen, dafür hat es gemütliche Loungemöbel, in denen wir uns nach dem Duschen gemütlich rekeln und die Reste des Mittagspicknicks essen… wir sind fast alleine in diesem Hotel, dass ja eigentlich geschlossen hat.

Auch ein schnelles gutes Wifi hat’s und so kann ich gemütlich noch einen Tag auf den Server laden während Sibylle schon schläft…

et comme toujours… les photos

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