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Stimmungstief, Brille verloren… Nevers

Heute möcht ich also bis Nevers fahren, wo ich vorhabe morgen einen Tag zu pausieren, da die Wettervoraussagen schlecht sind und ich mal einen Tag Pause brauche. 43km nur, deshalb brech ich auch nicht allzufrüh auf heute, viertel nach acht ist’s als ich abfahre. Stimmung heute morgen irgendwie nur 8-9, weiss auch nicht genau weshalb, manchmal seltsam mit diesen Stimmungen, Launen, Befindsamkeiten…

Gemäss Führer ist der Weg dem Canal latéral á la Loire entlang nicht asphaltiert. Als ich zum Kanal abzweigen möchte ist der Weg abgesperrt, sie sind dabei den Weg zu teeren, haben bis jetzt aber nur mal so eine ganz teerige ölige Schicht auf den Unterbau aufgetragen worauf dann der Belag kommt. Nehme an zum isolieren, aber bnb kein Strassenbauer. Ausgerechnet jetzt, wenn ich hier durchfahren möchte, na ja, irgendwann müssen sie’s ja machen. Auf jeden Fall zwäng ich mich auf der Seite am Absperrgitter vorbei, wie es vor mir offenbar auch schon einige gemacht haben, was ich an den Spuren sehe. Aber irgendwie rollt sich nicht gut auf diesem Unterbelag, die Reifen bleiben wie kleben… fühl mich nicht gut dadrauf und kann’s gar nicht geniessen, obwohl die Umgebung wie immer schön wäre… aber das hört und hört nicht auf, haben die gleich den ganzen Weg bis Nevers vorbehandelt? Stimmung inzwischen weiter nach unten: 6-7. Verlasse nach ein paar Kilometern den Weg und fahr auf der mehr oder weniger paralell laufenden Strasse, mässig aber schnell befahren,  weiter bis Fleury-sur-Loire. 

Endlich, hier nach 13km haben sie aufgehört und ich fahr nun auf einem Feldweg dem Kanal enlang. Holperdipolper, muss mein Tempo drastisch drosseln, aber dann geht’s und ich fang’s sogar an zu geniessen auf dem Naturweg. Stimmung steigt wieder leicht auf 7-8 an.

Irgendwann halte ich um was zu trinken und ein Foto von einer Sprinkleranlage zu machen, wie sie hier üblich sind um die Felder zu bewässern. Das Wasser dazu pumpen sie übrigens aus der Loire. Lege meine Velobrille auf den Gepäckträger. Die hab ich mir extra noch bei VeloPlus in Wetzikon zusammen mit dem Helm gekauft, ohne getönte Gläser, hab den sonnengläsergetönten Durchblick einfach nicht gerne. Und sie bewährt sich sehr! Am ersten Tag hatte ich sie nicht an, weil sie, na ja, so eine richtig schnittig-stromlinienförmige Velobrillenform hat. Am Abend hatte ich dann aber ein wenig entzündete Augen, vom ständigen Fahrtwind und all dem Staub in der Luft, seither trag ich sie immer und sie bewährt sich!

Fahr dann weiter, langsam mit Feldweggeschwindigkeit… plötzlich nach vielleicht 10, 12 Kilometern: WO ist meine Brille???? Auf dem Kopf ist sie nicht, vorne in der Lenkradtasche nicht!!!! Scheisse, fuck, shit!!!! Hatte sie auf den Gepäckträger gelegt und voll vergessen… also ist sie runtergerutscht! Und bei der langsamen Fahrt ist’s mir auch nicht aufgefallen, dass ich sie nicht anhatte… mmmmm  shit!!! Umkehren 12km zurück und wieder hin? Beim langsamen Weiterfahren überleg ich hin und her… ist eine Hotelübernachtung, lohnt sich also umzukehren, aber weiss ich denn noch genau wo? das Gras ist hoch… und die Meter zählen, immer weiter weg von der Brille… die Stimmung sinkt in den Keller, 2! So ein shit, jetzt dreht sich alles um die Brille, die ich doch so brauche… die Gedanken drehen sich im Kreis… irgendwann beschliesse ich nicht umzukehren, Nevers ist eine grosse Stadt, da wird’s doch sowas sicherlich geben, und verlumpen werd ich auch nicht dran… bin aber gar nicht glücklich mit dem Entscheid…

Weiter geht’s auf Feldweg, versuche die Schönheit der Landschaft wieder zu sehen… gelingt eher schlecht als recht… ahh und jetzt bei Chevenon haben sie wieder angefangen mit der Vorbereitung den Kanalweg zu Teeren, auch das noch… grrrrr… zurück auf die Strasse… irgendwo begegne ich noch der Bauequipe, die den Weg mit diesem TeerOelbelag beschichtet… uäck… das stinkt und raucht, Scheissjob… zu allem Übel führt die Strasse noch über einen Hügel vor Nevers… ist GAR nicht gut heut..

Und mit dieser Laune komm ich also in Nevers an, seit Dôle ist das die erste richtige Stadt und Dôle dagegen klein, auch das kommt gar nicht gut an. Autos, die sich durch die schmalen Gassen drängen und auf den Pflastersteinen einen Saulärm machen, können die denn nicht die Innenstadt sperren? Fahr also hoch, die Stadt liegt auf einem Hügel in einem Loirebogen, rolle langsam durch die gassen auf Hotelsuche, sehe kein Einziges, dafür aber eine Fussgängerzone, na immerhin ;-)…

Schliesslich geh ich ins Office de Tourisme und frag genervt ob’s denn hier keine Hotels gibt (bei uns hätt ich gesagt in diesem Kaff, aber dss entsprechende französische Wort fehlt in meinem Wortschatz – zum Glück). Aber die junge Frau hinter dem Tresen strahlt mich an: Mais nuterellement Monsieur! Vous désirez un hôtel avec une, deux, trois ou quatres étoiles? Sie ignoriert meine Laune und kreuzt mir, mit ihrem entzückenden Lächeln auf dem Stadtplan drei ** Sterne Hotels an… hmmmm na ja, Stimmung steigt leicht an… ob sie telefonieren soll ob’s noch freie Zimmer habe… so viel Freundlichkeit kann ich zur Zeit nicht annehmen, und lehne französisch stackelnd aber doch dankend ab.

Also mach ich mich auf die Räder. No.1, na ja nicht übel, No. 2, eher nicht, ist mir zu weit vom Hauptplatz entfernt und überhaupt… schliesslich No. 3, Hôtel des Clêves, hmmm… zur Zeit nicht Entschlussfähig bleibe ich vor der Eingangstüre mit meinem Velo stehen. Die Tür geht auf, eine Frau zwängt sich an mir vorbei… gefolgt von einer Zweiten: Bonjour Monsieur, vous cherchez quelqu’ chose?
Une chambre? Mais pas un problem, je l’ai une… 43 Euros, avec douches, wc… vous voulez la voir?… hmmm also gut, vous pouvez prenez votre velo avec, il y a des éspaces en arrière… (das ist so üblich, oft stösst mannfrau das Velo mitten durch den Empfang in irgendeine Abstellkammer, Hinterhof oder was auch immer, Velo ist immer willkommen)… also lass ich sie für mich entscheiden.. ok… das Zimmer ist klein, im dritten Stock unterm Dach und entsprechend warm aber irgendwie gefällts mir und die Aussicht über die Dächer von Nevers auf den zur Zeit zwecks Renovation verhüllten Kathedralturm romantisch.

Dusche und anderthalb Stunden schlaf und meine Laune ist nicht unbedingt besser aber doch irgendwie am steigen und aufgeräumter. Mach mich auf in die Stadt, zuerst mal ein Demi in der Brasserie auf dem Hauptplatz, es beginnt ein wenig zu regnen, tröpfeln, kümmert sich aber keiner drum, seh die Strassen jetzt mit anderen Augen und es beginnt mir sogar ein klein wenig zu gefallen ;-) . In der Fussgängerzone kauf ich mir ein neues Prepaidguthaben Europe/Maghreb bei SFR, frage bei einem Optiker wegen Velobrille, ist aber nichts. Schlendere, ja heute mal zu Fuss, weiter durch die Stadt… viele Stadthäuser aus der vorletzten Jahrhudertwende, wie das halt so üblich ist in Frankreich…

Nachtessen, zum ersten Mal ein Stück Fleisch und obwohl á point (mehr halten sie hier eh für ungeniessbar) recht blutig… ist einfach nicht mein Ding mit dem Fleisch in Frankreich…

Zurück im Hotel find ich einen besseren Weg um die Fotos upzuloaden… und schlaf dann irgendwann… aber die Stimmung ist deutlich gestiegen… ;-)

Fotomanie…

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