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durch die Bourgogne…

Romantisch am nächsten Morgen um 6 der Blick aus dem Fenster auf den Doubs, die Bäume spiegeln sich im absolut ruhigen Wasser, die Luft frisch und voller Vogelgepfeiffe. Also, dann hol ich mir mein Croissant selber und auch noch ein Demi-Baguette dazu. Einen Topf zum Teewasser kochen hat’s auch nicht… na dann eben mit der Kaffeemaschine…

Monsieur ist schon in der Radlerkleidung in den Farben der Trikolore, schliesslich ist morgen der quatorze Juillet ;-)… na wenn er schon so früh auf sei, fahr er auch gleich eine Runde…

Für mich geht’s weiter. Heute möcht ich bis nach St-Léger-sur-Dheune, 57km. Die Alternative wäre 25km mehr gewesen, halt mich immer an Ortschaften. Mit dem Zelt könnt ich ja auch irgendwo halten, aber erstens trau ich mich nicht so recht, manfrau hat mir so eingebleut ich solle aufpassen, Frankreich sei nicht die Schweiz… und zweitens müsst ich das mit dem Essen auch immer noch hinkriegen, sprich transportieren und bei dieser Hitze hält nicht viel… also hab ich mich für die 57km entschlossen, schliesslich hab ich Zeit!

An der Brücke über den Doubs sind die Wasserstände markiert, ist unglaublich wie hoch diese Flüsse steigen können, die Höchsten sind sicher 7m!!! mehr als momentan, das müssen überwältigende Wassermassen sein, es sind ja jetzt schon breite Flüsse mit viel Wasser… machtvolles Wasser in diesen Flussebenen, wie dieses Jahr in Deutschland ect… Wahnsinn…

Also ein paar Kilometer der Sâone entlang… Samstag und mann dachte so früh am Morgen hat’s bestimmt keine Menschenseele, falsch gedacht, jede Menge Fischerseelen sind schon am Flussufer und haben sich für ein Wochenende am Fluss eingerichtet, mit dem Auto bis an den Fluss, mit Zelt, Campingmobiliar und jede Menge Angeln… 99% Männer… offenbar geht mannfrau sich am Wochenende aus dem Weg ;-)… dieses Angeln scheint hier ein allgmeiner Sport (?) zu sein, schon die vergangenen zwei Tage bin ich immer wieder an Fischern vorbeigefahren und eben meist nur Männer, allein oder zu zweit… ganz ganz selten sitzt mal eine Frau masslos gelangweilt in einem Campingstuhl dabei ;-)…

Dann gehts durch Felder Richtung Chalon-sur-Sâone. Eine richtige Stadt, entlang der breiten “Einfallstrasse” hätte es eigentlich einen abgetrennten Veloweg, aber auch hier sind sie am bauen und so muss ich meinen Weg zwischen Absperrungen in die Innenstadt suchen. Werde dafür mit einer wunderschönen Altstadt belohnt, alles Fussgängerzone wo ich langsam durchrollenn kann… gefällt mir sehr dieses Chalon… auf dem Platz vor der Kathedrale meinen morgendlichen Café au Lait (grand) und dann fahr ich weiter, wieder aus der Stadt, mit Hilfe meiner Karte und dem Führer find ich den Weg wunderbar. 

Weiter geht’s dem Kanal entlang (was auch sonst). Diesmal heisst er Canal du Centre und verbindet die Sâone mit der Loire, also quasi das Mittelmeer mit dem Atlantik. Der Weg entlang dem Kanal ist frisch geteert und so rollt es sich leicht, da komm ich dann doch schon mal auf so 20/24km/h über längere Zeiten. Überhaupt ist der ganze Kanal herausgeputzt, die Schleusen frisch renoviert und entsprechend hat’s viele Velofahrer auf dem Weg und Schiffe im Kanal … ausserdem ist natürlich Samstag. Das Gebiet, nun wieder hügeliger, heisst übrigens Bourgogne und ist für seine Weine berühmt… Beaune ist ganz in der Nähe…

Es radelt sich wirklich wunderbar durch diese schöne Landschaft… trotzdem, immer so nach ca. 45 km beginn ich meinen A… zu spüren, ausserdem geht’s gegen Mittag und es wird langsam heiss. Bei St-Gilles verweist eine Tafel auf Bar/Épicerie mit frischen Sandwiches… das schau ich mir an, setz mich gleich in den Schatten und bestell ein kaltes Coci. Am Samstag gibts keine Sandwiches aber einen vorzüglichen, frischen und knackigen Salade Gourmand (Salat, Melone, Rohschinken ect.)…

Ein amerikanische Paar kommt auf einem Tandem angefahren und erkundigt sich nach dem Weg nach Beaune, sie fahren nach ihrem GPS aber das führt sie genau in die entgegengesetzte Richtung, ich überzeuge vor allem ihn, (sie glaubt mir sofort und verdreht nur die Augen) anhand meiner Karte, dass sie genau in die andere Richtung fahren müssen. Nachdem ich sie auch noch vom Salade Gourmand überzeugt habe, spendiert mir die Barfrau den Kaffee :-)..

Dann nehm ich mal die letzten Kilometer in Angriff… noch 10 oder so… bis St-Léger, wo’s auf meiner Karte Camping und Hotel eingezeichnet hat. Zu früh gefreut… der Camping stellt sich als Nudisten Camping heraus und darauf hab ich nun wirklich keine Lust, vor allem waren die Campers alle mindestens 50 und aufwärts… na ja… Das Hotel ist geschlossen und zu verkaufen, wär ein schönes Gebäude, aber offenbar rendiert’s nicht…

Und jetzt? Wild campen? 25km weiterfahren ins Ungewisse? Erkundige mich, in Couches hat’s Hotel und Camping, nur ca. 7 km auf der Hauptstrasse, allerdings den Hügel rauf… ????? also dann halt… unterwegs bei einem Chambre d’hôtes gehalten, aber heut ist Samstag und leider alles ausgebucht… dem Besitzer tat es sichtlich leid mich wieder wegschicken zu müssen. Helm wieder auf (hab mir wirklich angewöhnt auf diesen viel befahrenen Strassen, wo sie mit mindestens 80 an einem vorbei rasen den Helm anzuziehen, wenn ich ihn schon dabei hab) und weiter den Hügel rauf. Endlich nach verschwitzten 10 km der Zeltplatz “La Gabrelle”. Das Hotel in Couches war mir dann doch zu teuer.

Zelt aufgestellt, geduscht… wieder sind die Duschen und WC’s makellos sauber… baue langsam meine Vorurteile ab ;-)… mache keinen Wank mehr… setz mich in den Schatten des Campingrestaurants und trink mein obligates Bier und führe meine Statistik nach, waren doch 74 km heut, überleg mir ob ich nicht in ein, zwei Tagen mal einen Tag Pause einlegen sollte, muss mit meinen Kräften ein wenig haushalten, bin schliesslich nicht gerade trainiert…

Auf dem Camping übrigens mindestens 10 Engländer mit riesigen niegelnagelneuen Wohnwagen… jung und mit viel Nachwuchs machen sie einen rechten Krach… seltsam… woher die wohl kommen und das Geld haben, mit den Autos zusammen macht das bestimmt mindestens 100’000 Euros für so ein Gespann, fast ein wenig wie Zigeuner, aber englische Zigeuner??… wer weiss… hab nicht gefragt und so bleiben meine Gedanken unbeantwortet.

Da ich keinen Meter mehr fahre nehme ich mit einer französischen Campingpizza vorlieb, dafür einen feinen kalten Rosé dazu…

Fotomanie…

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