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Olivenernte in der Toskana

Ich war im November vier Wochen in der Toskana auf dem Podere Millefiori bei Hannes und Manuela Riesen zur Olivenernte. Es war ein einmaliges Erlebnis… vier Wochen lang beinahe jeden Tag von neun bis fünf im Olivenhain – nur bei Regen kann nicht geerntet werden – aber glücklicherweise hat es in den ganzen vier Wochen nur 3 oder 4 Tage geregnet und so konnten wir fast während meines ganzen Aufenthaltes ernten.

Es ist keine sehr anstrengende Arbeit, braucht aber Geduld und Ausdauer. Den ganzen Tag draussen an der Luft – die morgens und gegen Abend doch oft kalt war und in die Knochen ging – macht doch recht müde. Wir haben von Hand gepflückt ohne technische Hilfsmittel – nur mit Leitern, Rechen und Netz.

Die Oliven werden von Hand oder mit Hilfe eines Rechens (eine Art grober Kamm) von den Ästen gestreift und fallen dann ins Netz, dass unter dem Baum ausgebreitet wird. Wenn ein Baum fertig ist nimmt man die Oliven im Netz zusammen und entfernt Blätter und Äste. Die Früchte werden dann in Plastikharasse geschüttet, die Harasse haben Gitterwände, so dass Luft an die Oliven kann und sie nicht schon bei der Zwischenlagerung zu gären anfangen oder gar faulen bevor sie in die Olivenmühle gebracht werden. Dies ist eine neue Erungenschaft, noch bis vor wenigen Jahren wurden die Oliven in Plastiksäcken zwischengelagert und gärten und faulten so oft vor sich hin, was dann zu einer schlechten Ölqualität geführt hat.

Das absolute Öl gäbe es, wenn die Oliven direkt jeden Abend nach der Ernte gepresst würden. Dies ist jedoch in der Praxis kaum möglich, da die Mühlen eine gewisse Mindestmenge (ca. 400kg) verlangen, damit die Maschinen ausgelastet sind, und die Bauern, die das Öl auf eigene Rechnung verkaufen natürlich das Öl ihrer Oliven möchten. Ausserdem sind die Oliven vom Podere Millefiori biologisch und dürfen nicht mit Anderen gemischt werden. Viele Bauern verkaufen ihre Oliven einfach an die Mühlen und nehmen für sich nur einen Jahresbedarf, den Rest verkaufen dann die Mühlen. Deshalb haben wir die Oliven alle drei bis vier Tage ins Oleificio Sociale Cooperativo in Castiglione d‘Orcia zum pressen/mahlen gebracht.

Die Mühle wurde dieses Jahr mit neuen Maschinen ausgerüstet. Diese modernen Maschinen gewährleisten auch die klare und saubere Trennung von herkömmlichen und biologischen Früchten. Es ist eindrücklich zu beobachten wie die Bauern Tonnen von Oliven bringen. Die Mühlen – fast jeder Ort hat seine eigene Mühle – arbeiten ab Ende Okober bis Ende November sieben Tage 24 Stunden lang!

Vielleicht noch etwas zu den Mengen und damit zum Geld und zum Preis. Ein durchschnittlich gefüllter Baum ergibt ungefähr einen Harass von ca. 17kg Oliven was bei einer Kaltpressung ungefähr 2.5 Liter Öl ergibt. An einem Baum arbeiten 2 Personen ein bis eineinhalb Stunden. Natürlich gibt es heute schnellere Erntemethoden wie der Einsatz von elektrischen Kämmen oder sogar Baggern mit denen die Bäume geschüttelt werden, beides jedoch schädigt die Bäume und den Boden. Auf dem Podere Millefiore stehen ungefähr 800 Olivenbäume – wovon bei Weitem nicht alle durchschnittlich gefüllt waren – manche Bäume ergeben kaum einen fünftel von einem Harass und trotzdem muss das Netz ausgebreitet werden und auch an solchen Bäumen arbeitet manfrau eine gute halbe Stunde. Wir haben ausgerechnet, dass Hannes vier Arbeitern (inklusive sich selber) zum Schluss einer Ernte von ca. 4 – 6 Wochen einen Lohn von ca. 1400 Euro bezahlen könnte! Man wird also nicht gerade reich, vor allem wenn man keine Kompromisse eingeht.

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